Christian Gummig

Gummig Kommunikation

Hamburger ist man ja nach hiesigem Verständnis bestenfalls qua Geburt in Hamburg, „geborener Hamburger“ sogar nur, wenn auch die Eltern hier geboren sind, und Hanseat, ach, dazu sollte man tunlichst seit Äonen Flotten volumiger Handelsschiffe die Elbe entlang in die Welt geschickt haben, um mitreden zu können. Der Rest ist, was ich bin, nämlich ein „Quiddje“, ein Zuagroaster, wie man in München sagen würde, und damit sozial knapp über einer Amöbe angesiedelt, möchte man meinen. Aber bitte raten Sie, wie oft man mich in 22 Jahren Hamburg hier so tituliert hat? Genau Null-mal. Warum? Weil Hamburg Stil hat, weltoffen und liberal ist und sich keinesfalls in kleingeistigen Diskussionen wie der nach der Herkunft verliert. Dann doch lieber über die feinen Dinge des Lebens diskutieren – deren ebenfalls feine Nuancen bieten allemal besseren Gesprächsstoff an den Dinnertables dieser großartigen Stadt.

Meine Empfehlungen für Hamburg:

› Die Brücke und Die Glocke – Die Ying und Yang der feinen Eppendorfer Isestraße. In der Brücke holt man sich an Markttagen schon Mittags einen kleinen Weißwein-Glimmer und speist Abends kultiviert und bestens umsorgt, in die Glocke geht man, ebenfalls herzlichst-herzhaft betreut, für prächtige Biere, ungehemmtes Rauchen und die Auswärtsspiele des HSV. Und das in meinem Fall beide Lokale in crawling distance zur eigenen Wohnung liegen, hat sich schon oft als höchst praktikabel erwiesen.
› Der Löwenschuster – Unweit von Ying und Yang handwerkt Heinz Rehder in seinem handtuchgroßen Laden und wacht wie der TÜV darüber, das gutem Schuhwerk in Eppendorf die angemessene Pflege zuteil wird – ansonsten kann es schon mal einen Rüffel geben. 
Conrad Hasselbach – Hier gibt´s das Schuhwerk, das Herr Rehder erstmal lange nicht zu sehen bekommt, denn Conrad verkauft nur beste Qualität. Das gilt nicht nur für Schuhe: Tweed, allerlei für die Jagd, herrliches Gepäck und den „The Ostholsteiner Doppelkorn“ gibt es hier auch (Disclaimer: Das ist mein Produkt, sehen Sie mir bitte die Eigenwerbung nach).
Shell Hegestraße – Der Abriss der Esso-Häuser und der zugehörigen  Tanke an der Reeperbahn hat bei den Automobilisti der Hansestadt ein schlimmes Vakuum hinterlassen. In Eppendorf tröstet man sich mit einem Besuch an der Hegetanke, an der man nicht nur wirklich immer jemanden zum Plaudern trifft, sondern auch passable Weine kaufen kann, wenn der Stammdealer schon geschlossen hat.
Weinhaus Gröhl – Der Stammdealer. Eigentümer Holger Bracker hat diese feine hanseatische Art, immer ein wenig erstaunt zu wirken, wenn man ihn um Rat fragt. Und dann verkauft er einem den wunderbaren Wein, nach dem man gefragt hätte, wenn man ihn vorher schon gekannt hätte (den Wein, nicht Herrn Bracker). Und natürlich den „The Ostholsteiner“ (siehe oben)
Weinquelle Lühmann – Ein wenig irreführend ist der Name dieser tadellosen Hamburgensie an der Lübecker Straße in Hohenfelde. Seit 4 Generationen geführt von der bezaubernden Familie Lühmann, ist die „Weinquelle“ nämlich auch das Spirituosen-Mekka der Stadt mit mehr als 6000 Artikeln und überragender Fachkompetenz, wenn´s ums Alkoholische geht. Dass es dort auch besten Ostholsteiner Korn gibt, haben Sie natürlich längst geahnt.
Ökonomie im NRV und Elbe 76 –  Ebenfalls auf der „anderen Alsterseite“ befindet sich mit dem NRV - Norddeutscher Regatta Verein eine Bastion sportlichen Hanseatentums, direkt an der Alster mit einer Terrasse mit dem wohl atemberaubendsten alsterseitigen Blick auf die Stadt. Leider nur für Mitglieder ist die Ökonomie dieser Institution geöffnet, aber Nichtmitglieder können sich trösten, das Betreiber Ivo Ruczinski mit seinem erfreulich legeren, qualitätsvollen gastronomischen Können schon lange im wundervollen Elbe 76 in Eimsbüttel wirkt.
The Rabbit Hole –  Zurück zum Alkohol. Hamburg ist auch dank Institutionen wie der Ikone Le Lion ein Epizentrum der deutschen Barszene, aber eben auch durch eine kreative Szene junger Mixologen, die auf höchstem Niveau arbeiten. Ein Beispiel: „The Rabbithole“ auf St. Pauli, wo Constanze Lay Ihre Idee der perfekten Bar verwirklicht hat. Kommt auch meiner Vorstellung der perfekten Bar sehr nahe.
Die Bar im Vier Jahreszeiten –  Apropos perfekte Bar. Bingo. Eine weitere Bastion der Barkultur. In der anliegenden „Wohnhalle“ des Hotels würde ich übrigens tatsächlich gerne wohnen.
› Savoy Filmtheater – Und das wäre dann das perfekte Kino. Opulentes Gestühl, eine horizonterweiternde Leinwand und perfekter Sound machen das Lichtspielhaus in St. Georg zum besten Hamburgs. Und die gut bestückte Bar, natürlich.