Regine Rang – Geschäftsführerin

Rechtwerk Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Zugegeben. Die Stadt Hanau haben meine Kollegin Sabine Bleuel und ich uns nicht wegen Ihrer optischen Qualitäten als Kanzleistandort ausgesucht. Hanau kam damals schlichtweg in unsere engere Auswahl, weil es über eine unschlagbar gute Anbindung an das Verkehrsnetz verfügt. Als „zugereiste Frankfurterin“ kannte ich von Hanau bis dahin vor allem das Vorurteil, der Stadt fehle jeglicher Reiz.
Mit außergewöhnlichen und perfekt für unseren Bedarf zugeschnittenen Büroräumen in einem alten Rohziegelbau in Lamboy warf sich uns Hanau förmlich an den Hals. Das alte Gebäude schrie danach, mehr über seine und damit über die Geschichte Hanaus zu erfahren. Mit Stolz erzähle ich inzwischen jedem, der es hören will (oder nicht), dass wir im ehemaligen Proviantamt der Ulanenkaserne arbeiten dürfen.
Ich erfahre, dass Hanau bis kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs eine außergewöhnlich schöne Renaissancestadt war und dass Napoleon in Hanau-Lamboy seine letzte Schlacht auf deutschem Boden gewonnen hat. Wow! So viel Geschichtsträchtigkeit hätte ich der Stadt gar nicht zugetraut. Seit wir uns hier niedergelassen haben, wird Hanau nicht müde uns zu zeigen, dass man sich von Äußerlichkeiten nicht täuschen lassen darf.
Jeden Tag blicke ich ein wenig mehr hinter die Kulissen der Stadt. Schloss Philippsruhe, Wilhelmsbad und das Goldschmiedehaus lassen in ihre glanzvolle Zeit zurückblicken. Kleine Zeitzeugen, wie die mit Pinsel und Farbe aufgetragene Aufschrift „American Hair Saloon“ auf einer Baracke neben der Pulvermühle bringen mich dazu, mir Hanau während seiner Zeit als einer der größten Stützpunkte der US-Armee in Europa vorzustellen. Bemerkenswert, was die Stadt alles erlebt hat.
Am Schönsten finde ich in Hanau die Begegnungen mit Menschen, die sich leidenschaftlich für etwas Gutes engagieren. Die Stadt bebt zur Zeit förmlich vom Drang der Leute, in Hanau etwas zu bewegen. Egal wie man das neue Äußere des Freiheitsplatzes findet: ist es nicht großartig, dass es die Stadt Hanau – getrieben von Lust auf Gut – anpackt? In Lamboy ist die Aufbruchsstimmung besonders deutlich zu spüren. Ich finde es einfach nur beflügelnd und bin froh, dabei zu sein.

Foto: Mario Stumpf