Stiftung Buchkunst stellt vor | Juli



»Die schönsten deutschen Bücher« 2016

Ein Kinderbuch ganz ohne Worte, das der Fanstasie genügend Platz zum Spielen lässt. Ein wunderbares Schattenspiel aus Brasilien mit tollen Bildtafeln und Tuschezeichnungen von Marcelo Pimentel. Erfrischend einfach.

Marcelo Pimentel
:
Eine Geschichte ohne Ende
Baobab Books, Basel (CH)

In flächigen schwarzen Pinselzeichnungen defilieren die Tiere durch die Panoramadoppelseiten des ganzen Buches. Sie nehmen mit suggestiven Kreis-Punkt-Augen alles unter aufmerksame Beobachtung. Heimlich schiebt sich ein Finger von unten ins Bild. Eine magische Figur bringt rote Farbe ins Spiel und überzieht die Vierbeiner mit lustigen Mustern. Es wird Nacht. Es wird Tag, die Karawane zieht weiter, und alle freuen sich über ihr neues Outfit.

Die Szenen wirken wie ein Schattenspiel; man blättert vor und zurück in der textfreien Geschichte und entschlüsselt den Gefühlswechsel der Silhouetten. Aber oh weh: Am Ende wäscht ein Regenguss den schönen Körperschmuck wieder weg. Die letzte Seite zeigt das Schlupfloch zum Trost. In den Baumstamm, das heißt in die Buchseite, ist ein Loch gestanzt, das Äffchen wagt einen Blick, ich schließe das Buch, und hinten steht das exotische Männchen bereit, die Pracht wieder herzustellen.

Phänomenal, welch farbiger Eindruck sich nur mit Schwarz und Rot auf der groben braunen Recycling-Pappe entfaltet. Das Kinderbuch mit abgerundeten Ecken ist so robust, dass es auch mal zu den Stofftieren gepfeffert werden kann. Und dann wieder hervorgeholt wird: eine Geschichte ohne Ende. Ein Buch ohne Worte.


Die schönsten deutschen Bücher 2016 // Vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung // Prämiert von einer unabhängigen Jury



Der Wettbewerb »Die schönsten deutschen Bücher« geht zurück auf das Jahr 1929 und ist damit einer der ersten Wettbewerbe der Branche. Ins Leben gerufen vor dem Hintergrund der Industrialisierung der Buchproduktion und mit dem Ziel, Buchgestaltung und -herstellung zu fördern, kommt dem Wettbewerb im Zeitalter der Digitalisierung eine neue Bedeutung zu. Nicht wenige Branchenteilnehmer sehen die Zukunft des gedruckten Buches inzwischen an dessen stofflich-sinnliche Qualität gebunden.



Aus 788 Einreichungen wählten zwei Fachjurys in tagelanger Detailsicht die 25 Schönsten aus. Die Jurys rotieren. Die Erste Jury setzt sich aus sieben Experten zusammen, die Zweite Jury aus sieben Gestaltungs- und Herstellungs-Profis. Die prämierten Bücher zeigen eine große Bandbreite gestalterischer und herstellerischer Möglichkeiten, jedoch berücksichtigt die Auswahl auch das leisere, solide gemachte Lesebuch.

Bücher, die Zeichen setzen und wichtige Trends und Strömungen des Buchmarkts aufzeigen. Die Stiftung Buchkunst stellt hier einige dieser ausgezeichneten Bücher vor.

Fotos: © Christian Doeller, Weimar (www.christiandoeller.de)