Stiftung Buchkunst stellt vor | August

»Die schönsten deutschen Bücher« 2016

Sommer, Ferien, Essen mit Freunden, lange Abende im Garten – da ist Lust und Zeit zum Kochen vorhanden. Warum nicht mal vietnamesisch? Monsieur Vuong, Besitzer des gleichnamigen Kultrestaurants, macht es vor. Leicht und lecker, perfekt für die warmen Monate. Das Buch selbst: Ein Augenschmaus! Mahlzeit!

Ursula Heinzelmann:
Monsieur Vuong. Das Kochbuch
Suhrkamp Verlag, Berlin
Mit 105 Farbfotos von Manuel Krug

Das Einbandmotiv irritiert: ein junger Mann mit gespannten Bizepsen, asiatischer Teint, glänzende Lippen, hochgestellter Kragen. Ein Star aus Kung Fu-Klassikern? Ein Pinup-Boy der Sechziger?

Das Buch will dem Koch Dat Vuong »ein Denkmal setzen«. Es bettet die Rezepte in die Familiengeschichte ein, die eine Flüchtlingsgeschichte von Vietnam nach Deutschland ist. Am Beginn steht ein wie eine ethnologische Fallstudie fotografisch bebilderter Essay. Er geht nahtlos in den umfangreichen Rezeptteil über. In der so aufgebauten Stimmung liest man in den Rezepten automatisch weiter.

Die Speisen zu den jeweiligen Rezepten sind in dem Moment jener eigenartigen Übergangsphase von frisch serviert und gleich verzehrt fotografiert, die ihr eigentlicher Existenzgrund zu sein scheint. Dazwischen Doppelseiten, Schnappschüsse, die wirken wie diffizil komponierte Gemälde. Gesättigte Farben, Muster und graubräunliche Patina des Alltags in den Straßen von Saigon, auf Märkten, von Garküchen, Speisen und das Verspeisen im öffentlichen Raum, Stadtverkehr, Interieurs – immer als Melange verschiedener Farbtemperaturen. Diese Mischung könnte als Sinnbild dafür gelten, dass der Heimatort des Kochs ein ideeller ist, der von beiden Quellen gespeist wird, den entgegengesetzten Klimazonen und Kultursphären von Saigon und Berlin.

Deshalb hat es nichts von Exotik, in der sonst die Nähe immer nur scheinbare Anteilnahme ist und die Angst vor dem Fremden unter der Wahrung von Distanz aufrechterhalten wird. Alles hier in diesem empathischen Buch, wie in der Küche dieses Meisterkochs, ist anders. Die Geschichte (Biografie), die Sache (Rezepte) und die Medien (Fotografie und Buch) sind ineinander verwoben. Der junge Mann auf dem Titel ist der Vater des Kochs.

Die schönsten deutschen Bücher 2016 // Vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung // Prämiert von einer unabhängigen Jury



Der Wettbewerb »Die schönsten deutschen Bücher« geht zurück auf das Jahr 1929 und ist damit einer der ersten Wettbewerbe der Branche. Ins Leben gerufen vor dem Hintergrund der Industrialisierung der Buchproduktion und mit dem Ziel, Buchgestaltung und -herstellung zu fördern, kommt dem Wettbewerb im Zeitalter der Digitalisierung eine neue Bedeutung zu. Nicht wenige Branchenteilnehmer sehen die Zukunft des gedruckten Buches inzwischen an dessen stofflich-sinnliche Qualität gebunden.



Aus 788 Einreichungen wählten zwei Fachjurys in tagelanger Detailsicht die 25 Schönsten aus. Die Jurys rotieren. Die Erste Jury setzt sich aus sieben Experten zusammen, die Zweite Jury aus sieben Gestaltungs- und Herstellungs-Profis. Die prämierten Bücher zeigen eine große Bandbreite gestalterischer und herstellerischer Möglichkeiten, jedoch berücksichtigt die Auswahl auch das leisere, solide gemachte Lesebuch.

Bücher, die Zeichen setzen und wichtige Trends und Strömungen des Buchmarkts aufzeigen. Die Stiftung Buchkunst stellt hier einige dieser ausgezeichneten Bücher vor.

Fotos: © Christian Doeller, Weimar (www.christiandoeller.de)