Stiftung Buchkunst stellt vor | Mai



»Die schönsten deutschen Bücher« 2016

Die etwas andere Art, Mode in Szene zu setzen: Die Arbeiten der Künstlerin Viviane Sassen widersprechen allen Regeln der traditionellen Modefotografie. Dem Buch »Umbra« liegt eine preisgekrönte Serie zugrunde, in der das Thema Licht und Schatten im Mittelpunkt steht. Der harte Kontrast zwischen Hell und Dunkel, zwischen Realismus und Abstraktion wird in »Umbra« (der lateinische Begriff für Schatten) zur Metapher für widerstreitende Emotionen wie Angst und Begehren, Erinnerung und Erwartung, Fantasie und Illusion.

Viviane Sassen
UMBRA
Prestel Verlag, München

Der Foliant ist dem Geburtsmotiv der Fotografie gewidmet: Licht und Schatten. Mal Körperschatten, mal Schlagschatten – die lichtlosen Zonen in den Bildern heben sich von den zugehörigen Objekten oder Körpern deutlich konturiert als etwas eigenständig Existierendes ab.

Ein besonderes Blättererlebnis gewährt der Aufbau der 32-seitigen Heftlagen – und ist zwar nicht eine Zumutung, aber immerhin eine Herausforderung für die Herstellung. 24 Seiten auf dünnem, matt saugendem Papier sind am Kopf nicht beschnitten, immer zwei Blätter hängen also oben zusammen. Außen herum und in die Lagenmitte ist ein funkelnder Kunstdruckbogen gelegt, also zweimal vier Seiten.

Erste und letzte Seite jeder Lage trägt ein Wüstenbild, in der Mitte durch den Falz geteilt, demnach vorn und hinten nur zur Hälfte sichtbar. So bilden die Übergänge zur nächsten Lage gewissermaßen eine sanfte Collage: Ein jeweils neues Landschaftsbild entsteht. Man blättert in die Lage hinein, zieht das nächste Blatt automatisch mit hoch und öffnet quasi ein Tasche. In ihr Inneres sind poetische Texte gestellt, hin und wieder ein monochromes Duplexbild.

Sowohl in den Fotografien als auch im Buch fungieren die Formgrenzen gewissermaßen als Fugen, durch die das Körperhafte und das Bildhafte ineinander übergehen.


Die schönsten deutschen Bücher 2016 // Vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung // Prämiert von einer unabhängigen Jury



Der Wettbewerb »Die schönsten deutschen Bücher« geht zurück auf das Jahr 1929 und ist damit einer der ersten Wettbewerbe der Branche. Ins Leben gerufen vor dem Hintergrund der Industrialisierung der Buchproduktion und mit dem Ziel, Buchgestaltung und -herstellung zu fördern, kommt dem Wettbewerb im Zeitalter der Digitalisierung eine neue Bedeutung zu. Nicht wenige Branchenteilnehmer sehen die Zukunft des gedruckten Buches inzwischen an dessen stofflich-sinnliche Qualität gebunden.



Aus 788 Einreichungen wählten zwei Fachjurys in tagelanger Detailsicht die 25 Schönsten aus. Die Jurys rotieren. Die Erste Jury setzt sich aus sieben Experten zusammen, die Zweite Jury aus sieben Gestaltungs- und Herstellungs-Profis. Die prämierten Bücher zeigen eine große Bandbreite gestalterischer und herstellerischer Möglichkeiten, jedoch berücksichtigt die Auswahl auch das leisere, solide gemachte Lesebuch.

Bücher, die Zeichen setzen und wichtige Trends und Strömungen des Buchmarkts aufzeigen. Die Stiftung Buchkunst stellt hier einige dieser ausgezeichneten Bücher vor.

Fotos: © Christian Doeller, Weimar (www.christiandoeller.de)