Anne Pintus

Managerin E-Marketing bei Mepha

Dies wird ein Liebesbrief. Das müsst ihr jetzt aushalten. Die Liebe brachte mich nach Basel, und die Liebe hält mich hier. Manchmal nervt mich die Stadt. Sie hat so viel Übernutzung. Es wäre schön, wenn nicht alles immer so durchorganisiert wäre. Wir profitieren zwar alle von den unzähligen kulturellen Angeboten auf Weltstadtniveau und der florierenden Wirtschaft, aber für mich entwickelt sich Kreativität aus Chaos.

Chaotisch und inspirierend waren früher die Parties, die wir in der alten Bahnhofsunterführung durchgezogen haben bis die Polizei kam. Daraufhin startete ich eine kleine Lokalradiokarriere beim Radio X. Oder der erste Jungle Street Groove, wo eine Handvoll Leute mit einem Ghettoblaster gegen Atomversuche demonstrierten – heute mit über 10‘000 Tanzfreudigen eine grosse, aber immer noch sehr friedliche Parade hinter Groovetrucks her.

Ich kam schon heimlich nach Basel in den Ausgang als ich etwa 17 war. Damals sassen viele Punks am Barfi rum und tranken Dosenbier, ich war schwer beeindruckt. Klaus Littmanns „Bimbo Town“ war für mich dann die Offenbarung.

Als ich das erste Mal den Rhein runter trieb, waren vereinzelt hartgesottene Schwimmgreise anzutreffen. Aktuell lassen sich Tausende mit ihren hippen Schwimmsäcken am Ufer entlang schwemmen. Am letzten Sonntag schloss ich mich ihnen an und japste krampfend, den Bauch einziehend an der Fleischpromenade entlang und war erstaunt über das Gewusel und die Ferienstimmung am Rhein.

An meinen ersten Art-Besuch kann ich mich nur noch dunkel erinnern. Ich war vielleicht 4 oder 5. Mein Vater kaufte noch Kunst dort, und wir gingen inspiriert nach Hause „etwas basteln“. Heute kann ich nicht mal mehr Sam anrufen, wenn ich hin will. Ich empfehle Jedem wärmstens, sich die Art Unlimited anzusehen.

Es gibt nichts Schöneres als mit meinem alten Göppel durchs Gundeli zu fahren, am Margarethenpark vorbei mit den mächtigen Ulmen und im Tutti Frutti von Frau Herrmann mit Namen begrüsst zu werden. Dass ihr Mann seit über 10 Jahren tot ist, tut mir immer noch leid, muss sie doch den Laden nun alleine führen.

Früh am Samstag in der Stadt einen Kaffee im Ängel oder Aff zu trinken, wenn noch kein Tourist das Hotelzimmer verlassen hat, ist nach wie vor himmlisch. Es gibt unzählige Beizen in Basel, die es locker mit jeder Grossstadt aufnehmen können. Best Thai in Town: St. Johann.

Alles ist so klein, so kompakt hier und trotzdem weht zwischendurch ein Hauch Grosszügigkeit den Rhein hinunter. Wenn mich jemand fragt, wo ich wohne, sage ich immer, im grössten Dorf in Europa. Für mich ist es genau dieser Gegensatz, der Basel so unglaublich liebenswert macht.

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