Axel Baumhöfner

RoC-Botschafter

Arbeiten in Frankfurt am Main und leben in Offenbach am Main – eine hippe Losung seit ein paar Jahren. Mich allerdings hat Frankfurt mit fetten Mieten und knappem Wohnraum schon zum Millennium den Main aufwärts nach Offenbach getrieben.

Zugegeben, ich habe gefremdelt mit der kleinen, vermeintlich hässlichen Schwester von Frankfurt. Nein, das war keine Liebe auf den ersten Blick. Dann kamen die Entdecker und die Eroberer: Studenten, Agenturleute, Museumsdirektoren und auf das Letzte Banker und Rechtsanwälte. Sie schwören auf globales Flair zwischen Mozzarella und buntem Fisch aus Mozambique, einem Penthouse am Hafen und der Stadtpromenade. Alles wie in Frankfurt, nur Jahre später und oft weniger pompös, aber bezahlbar. Dann wurde die kleine Schwester auch noch in Venedig als Arrival-City berühmt und mit Making Heimat in die internationale Öffentlichkeit gezerrt.

Offenbach bewahrt sich dennoch bis heute als Stadt der Kontraste, der Nähe und der Fremde, der Anders-Macher, der Neu-Macher, der Schlecht-Macher und der Gut-Macher sowieso. Gut-Macher im Kleinen und Großen, schwarzweiß und bunt, laut und leise, schnell und langsam, modern und altmodisch.

Offenbach wurde schon oft abgeschrieben oder mindestens verlacht. Und nun die kreative Stadt? Soweit gut gemacht, Offenbach.

Meine Empfehlungen

  • Bäckerei Konditorei BeckOffenbach – Nix Marketing, nix Showroom, nix Website und nur drei Filialen. Konzentration auf das Produkt, so wie früher. Ob das weiterhin erfolgreich bleibt? Das Abwarten ist jedenfalls himmlisch mit einem Nougatring von Beck (ungeschlagen weltweit, ich schwöre!) und einer guten Tasse Kaffee.
  • Die AromakünstlerObertshausen – Wer bereits Schwierigkeiten hat, von Schokolade und Pralinen die Finger zu lassen, der bekommt bei Thomas Niedermayer seine nächste Droge: Fudge. Die Idee zu den Dingern kommt ursprünglich aus England, und sie machen süchtig. Mehr muss ich nicht wissen. Kaufbar vor Ort in Obertshausen im Shop oder online per Versand. Zudem ist die Welle auch sehr erfolgreich auf ein bundesweites Händlernetz übergeschwappt.
  • Flohmarkt am MainuferOffenbach – Wenn die Offenbacher ihren muffigen Krempel aus dem Keller holen und am Samstag zur Carl-Ulrich-Brücke schleppen und Schnäppchenjäger schon um 8 Uhr nervös in vollen Kartons und Kisten wühlen, dann ist Flohmarkt-Zeit in Offenbach. Und Flohmarkt in Offenbach ist Flohmarkt und nicht Antik-Markt oder sonst was. Marktforschung zu Allen, die in Offenbach wohnen, inklusive.
  • Fähre und Schloss RumpenheimRumpenheim – Gemütlich mit der alten Blechschüssel am Seil von Maintal-Bischofsheim nach Rumpenheim übersetzen. Das ist der Eingang durch die Hintertür nach Offenbach mit Panoramablick auf das Schloss Rumpenheim mit angelegtem Park.
  • Holzbildhauer Martin BritschRumpenheim – Mittlerweile Rumpenheimer Urgestein, studierter Theologe, gelernter Goldschmied, hochbegabter Holzbildhauer. Zugegeben, es gibt geradlinigere Lebensentwürfe. Aber wer einmal eine seiner kleinen feinen Schatullen geöffnet und wieder geschlossen hat, der weiß, es braucht Handwerk mit viel Inspiration.
  • KäferstationMühlheim – Für die Fans von alten Blechtieren aus Wolfsburg ist die Käferstation mit Reparatur und Gebrauchtfahrzeugen das Mekka. Leider haben sich die Preise in den vergangenen zwei Jahrzehnten in schöner Regelmäßigkeit unaufhaltsam nach oben geschraubt. Ein Stopp lohnt trotzdem immer wieder, gerade auch weil man den Schätzen leicht, aber bitte vorsichtig, auf die Pelle rücken kann.
  • Restaurant + Biergarten TreffpunktNeu-Isenburg – Kneipe, innen rustikal, außen ein schöner Biergarten, den man in dieser Art häufig nur in Bayern findet, Essen mit enorm viel Fleisch und jeder Menge Bier. Ab und an ein Live-Konzert oder ein Spiel der Eintracht auf der Großbild-Leinwand. Was will man mehr?
  • Serien RaumleuchtenRodgau – Hochwertige Leuchten für den Wohn- und Arbeitsbereich wurden als Idee in den 1980er Jahren geboren: Die zwei Offenbacher Designer Manfred Wolf und Jean-Marc da Costa nutzten die Produktionsmöglichkeiten für Metallteile in Offenbach und begannen mit der Fertigung von technisch anspruchsvollen Leuchten. Das Startup Serien Raumleuchten war geboren. Bis heute erscheinen immer wieder neue Modelle, filigran und faszinierend und international erfolgreich.
  • Urban Media ProjectOffenbach – Loimi Brautmann und Oliver Kremershof sind die Verfechter und Treiber städtischer Kultur par excellence. Feine Grafik und Sinn stiftende Projekte für gute Kunden. So einfach ist das.
  • Wasabi SushiOffenbach – Khanh Lai-Quoc und sein Team zaubern aus rohem Fisch und Reis traditionelles Sushi in äußerst feiner Qualität. So kommt ein Hauch japanische Atmosphäre nach Offenbach, Partnerstadt von Kawagoe. Quasi ein „Stadtteil“ des rund 40 Kilometer entfernten Tokios, der hin und wieder auf den einen oder anderen Offenbacher Schüler, Sportler oder Studenten wartet. Seit neustem und nur ein paar Meter weiter am Offenbacher Wilhelmsplatz die Wasabi Sushi-Bar, genauso lecker und noch besser sitzen.