Axel Baumhöfner

Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Lion and Fishes

Als mich vor 30 Jahren in der Endphase meines Studiums der Mief der tiefen Provinz gerade noch rechtzeitig aus Darmstadt wegtrieb, lag sie schon länger da, mit ihren Gerüchten. Eine verruchte Dame war sie, die Frankfurt am Main. Sie trug eine Kette aus Museen, war nächtelang mit William Forsythe aus, schwärmte am Theater von Robert Wilson und kokettierte mit Heiner Müller. Nach endlosen Nächten mit Kippenberger und seinen Jüngern von der Städelschule stieg sie dann doch mit den feisten Bankern ins Bett. Oja, sie war verdorben, sie soff Henniger und nahm Drogen. Und am nächsten Tag raffte sie sich wieder auf und stopfte mit dem schnellen Geld einen weiteren steilen Zahn in eine ihrer Baulücken. Hessisch war zum Glück nur ihr Kolorit, ein fettes Schwein mit Schwarte und saurem Apfelsaft. Die Klangfarbe im Gebabbel schwärmte von New York und Tokio. Sie träumte sehnsuchtsvoll von einem Neustart, den sie machen wolle, bald – sehr bald. Irgendwann langweilten mich ihre immer gleichen Versprechungen und ich besuchte sie nur noch gelegentlich. Seitdem beobachte ich sie, wie sie über die Straße tänzelt und nett ist zu allen und den Touristen. Den einen oder anderen mit ihrer neuen Federboa lockt, von ihren Affären erzählt und gleichzeitig neue spinnt. Ich muss dann lächeln und denke, sie kann es immer noch, die alte Schabracke.

Meine Empfehlungen

  • Amir Sandwich. Libanesische SpezialitätenSpäter Abend oder früher Morgen? Fleisch oder vegetarisch? Scharf oder mild? Keine Fragen, essen, ist immer gut. Amir ist der Fixpunkt in Alt-Sachsenhausen und im Nachtleben von Frankfurt.
  • Café PlankZutaten: Ein Schuss schwarzer heißer Kaffee, drei einfältige Banker, ein Szene-Guru und eine Handvoll Anwohner, dann das Ganze kurz schwenken. Wer mag, gern mit einem Stückchen Kuchen.
  • Eintracht FrankfurtDas Waldstadion und die Eintracht sind und bleiben das Sammelbecken für neue und alte Frankfurter Fußball-Narren. Seit neuestem zudem vorbildlicher Kontrapunkt zu rechter Dummheit in den eigenen Reihen.
  • GM-FotoFoto-Equipment kaufen oder leihen von Profis für Profis oder nimmermüde Amateure. Im Laden atmen tief und ruhig die 80er Jahre, und ich bete jedes Mal, dass er noch lange offen bleibt.
  • ikarus...design kaufhausEast-End-Design-Kaufhaus an der Hanauer Landstraße Höhe Osthafenplatz für Leute mit solidem Designanspruch. Charles Eames wohnt schon länger da, und Sebastian Herkner ist auch vor 2-3 Jahren eingezogen. Frankfurts Bastion für Design punktet mit erträglichen Preisen und vor allem mit kompetenter Beratung. Wer mag, kriegt wie bei Ikea die Wurst danach, aber dann bei Gref Völsings nebenan.
  • LangbrettMüde von der Online-Schnäppchen-Jagd? Dann ab zu Langbrett, Kleiner Hirschgraben. Pure Beratung und geiles Zeug von Patagonia und anderen Herstellern. Auch wer keine Surfer ist oder nicht schon auf dem Kilimandscharo war, wird ernst genommen. Sehr sportlicher Einzelhandel.
  • Restaurant HeimatDas Restaurant von Sabine Fey, Oliver Donnecker und Gregor Nowak ist gut – nein, einfach sehr gut.
  • SpacewoodMessebauer Sven Eismann und sein Team schaffen eigentlich nur Spanplatten und Kleinteile nach Las Vegas, Cannes oder Australien. Aber nach dem Zusammenbauen stehen immer perfekte Messestände da.
  • SuperKatoJapanischer Supermarkt und Sushi am Kornmarkt. Mittags Sushi im Stehen oder Take away. Feiner Fisch aus dem Tiefparterre.
  • WasserkuppeFür alle, die mal raus müssen. 100 Kilometer Richtung Osten über die A66 auf Hessens höchsten Berg: Auszeit, Freizeit, mehr Zeit. Authentischer ist nur Bayern oder Österreich selbst.