Eiko Wenzel

Abteilungsleiter Denkmalschutzbehörde Flensburg

Seit über dreißig Jahren lebe ich mit meiner Familie hier, von Anfang an hat mich das historische Flair Flensburgs in den Bann gezogen. Als Denkmalpfleger lerne ich viele Spuren der Geschichte kennen und habe es zu meiner Lebensaufgabe gemacht, die Vielfalt auch für kommende Generationen zu bewahren, so gut es eben geht.

Flensburg war immer ein Ort, an dem sich Menschen und kulturelle Einflüsse aus allen vier Himmelsrichtungen trafen und der Stadt ein spezielles Gepräge gaben. Das lässt sich an den baulichen und künstlerischen Zeugnissen ablesen, insbesondere aber auch an den hier lebenden Menschen, die in der Mehrzahl weltoffen und tolerant sind.

Bei Westwind riecht man hier die Nordsee, bei Ostwind die Ostsee ... Es versteht sich, dass ich als Denkmalpfleger in Flensburg den Besuch Flensburger Kulturdenkmäler empfehle – hier sollen ein paar genannt werden.

Meine Empfehlungen

  • Dem Ostwind entgegen nach DänemarkBesonders schön an der Ostseeküste sind die Buchenwälder. Über viele Kilometer erstreckt sich an der Nordostküste der dänischen Insel Als (Alsen) der Nørreskov am Lillebælt (Kleiner Belt), der in der Nähe des Fährhafens Fynshav beginnt. Eine Wanderung führt zum fotogenen Taksensand Fyr. Der Leuchtturm wurde 1905 auf dem Steinstrand errichtet und ist durch eine kleine Brücke mit der Steilküste verbunden. 2018 war der Leuchtturm eine Location für das historische Drama „I krig og kærlighed“ (Von Liebe und Krieg), der das Schicksal eines jungen Dänen im Ersten Weltkrieg thematisiert und damit die wechselvolle Geschichte des vormaligen Herzogtums Schleswig in Erinnerung ruft. Nach einem Waldspaziergang kann man mit der kleinen Fähre von Hardeshøj auf Als wieder auf das jütische Festland bei Ballebro gelangen. In Ballebro lädt ein hervorragend restaurierter Fährkrug ein: Ballebro Færgekro, ein klassisches dänisches Badehotel und Restaurant.
  • Flensburger FördeAn einem Sonntag mit dem 1908 gebauten Salondampfer „Alexandra“ fahren und das deutsche und dänische Ufer wie im Film genießen – die Bilder laufen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 12 Knoten.
  • Flensburger KaufmannshöfeSie hier alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Sie prägen die Flensburger Altstadt und wollen entdeckt werden, in ihrer baulichen und geschichtlichen Vielfalt, aber natürlich auch in ihrem heutigen urbanen Flair. Die kleinen Höfe in der Roten Straße mit ihren Geschäften, die großen Kaufmannshöfe an Holm und Großer Straße und in der quirligen Norderstraße. Ich empfehle einen Gang von Hof zu Hof, unterbrochen durch eine nette Kaffeepause. Hier hat man die Qual der Wahl: Mein Favorit ist noch immer Café K am Südermarkt, im und vor dem Rokoko-Pastorat von St. Nikolai. Aber auch an Migge's Danish Bakery in der Norderstraße komme ich selten ohne Einkehr vorbei. Und das ist erst der Auftakt zu vielen weiteren netten Cafés, die auf dem Weg durch die Norderstraße folgen.
  • Flensburgs BacksteinkirchenGebrannter Ton war der Stoff, aus dem diese faszinierenden Bauwerke im späten Mittelalter gebaut wurden. Wer durch die Flensburger Altstadt geht, sollte aus dem Trubel der Fußgängerzone einmal in die Ruhe dieser Backsteinkirchen eintauchen ...
  • HeiliggeistkircheEine alte Spitalkirche, die nach der Reformation zur Kirche der dänischsprachigen Gemeinde wurde. Wer die Flensburger Altstadtkirchen besucht hat, weiß, warum Flensburg zur von Dänemark bis Polen reichenden „Europäischen Route der Backsteingotik“ gehört.
  • JohanniskircheBegeistert durch die spätmittelalterliche Gewölbeausmalung, die einen förmlich ins Paradies versetzt.
  • MarienkircheBesticht durch ihre Intimität und durch den Reichtum ihrer Ausstattung, vom Renaissance-Altar und der ältesten Stadtansicht aus dem 16. Jahrhundert auf dem Beyerschen Epitaph bis zu den Fenstern der Flensburger Künstlerin Käte Lassen.
  • NikolaikircheFasziniert durch ihre kräftigen Rundpfeiler und die Orgel mit dem riesigen Renaissanceprospekt.