Heike Hoffmann

Künstlerische Leiterin der Schwetzinger SWR Festspiele

Als ich vor fünf Jahren das erste Mal nach Schwetzingen kam, weil mir die Leitung der traditionsreichen Festspiele angetragen worden war, war es Winter, kalt und grau. Dennoch war der Charme dieser kleinen Stadt sofort spürbar, der Park und das Schlossensemble auch zu dieser Jahreszeit beeindruckend. Dass ich nun jedes Frühjahr mehrere Wochen hier arbeiten darf, Tage und Abende in dem herrlichen Ambiente verbringen kann, betrachte ich als ein Privileg. Hier kann man gleichermaßen künstlerisch gestalten und genießen. Herrlich, wenn die Vögel in die letzten Takte eines Streichquartetts zwitschern ...

Meine Empfehlungen

  • Buchhandlung KieserMein Lieblingsgeschäft ist die Buchhandlung der Brüder Kieser – eine der besten deutschlandweit, wie ich finde. Hier wird man nicht nur äußerst kompetent beraten, die Buchhandlung ist auch so eine Art geistiges Zentrum der Stadt. Hier lernt man Menschen kennen, kommt ins Gespräch und als Stammkunde bekommt man auch schon mal einen Kaffee. Wenn ich einen bestimmten Titel suche, reicht ein Anruf bei Kiesers und zwei Tage später bringt mir die Post in Berlin das Buch. Wer braucht da Amazon?
  • Café LeisingerAuch, wenn es immer voll ist – ich muß gestehen, dass ich selten widerstehen kann, wenn ich hier vorbeikomme. Die Auswahl der Torten und Kuchen ist einfach zu verlockend. Mein Favorit: Johannisbeer-Baiser.
  • Ristorante delle RoseHier gehe ich mit den Festspielkünstlern essen. Es wird nicht nur ausgezeichnet gekocht, sondern man verlängert für uns auch schon mal die Öffnungszeiten, wenn es spät wird. Und als wir mit der Idee kamen, eine zwanglose Begegnungsmöglichkeit für Künstler und Publikum zu schaffen, machten die Inhaber, Salvatore und Ünzele Crispino, sofort mit und servieren seither nach den Konzerten Pasta und Wein an der schön gedeckten gemeinsamen Tafel. „Con gusto“ wurde begeistert angenommen und ist ein fester Programmpunkt bei den Festspielen.
  • RokokotheaterIm sogenannten Rokokotheater, einem der ältesten Rangtheaterbauten in Europa, machen wir Oper und Konzert. Auch wenn technische Raffinessen, die heute an Opernhäusern Standard sind, hier fehlen, die Reihen eng und die Sitze nicht die bequemsten sind – die Aura des historischen Zuschauersaales ist einfach bezaubernd. Das spüren auch die Künstler, die hier besonders gern auftreten. Der Technische Leiter Georg Gaida, der gute Geist des Hauses, geht dem Vernehmen nach demnächst in Rente. Hoffentlich gibt es einen ebenso engagierten Nachfolger!
  • SchlossparkEiner der schönsten Parks in Europa und zu jeder Jahreszeit ein Ereignis. Wenn wir Ende März die Opernproben beginnen, stehen die Kirschbäume im Obstgarten in voller Blüte – spektakulär! Zur Festspieleröffnung blüht duftend der Flieder und zum Ende der Festspiele sind die prachtvollen Iris in den Staudenbeeten vor der Orangerie zu bewundern. Der Moscheegarten ist ein Traum und das Arboretum ein stiller Ort, wo man sich mit einem Buch ungestört niederlassen kann. Jede Ecke des Parks ist besonders. Ich ziehe den Hut vor den Gärtnern, die diese Schönheit in unermüdlicher Arbeit pflegen und erhalten.
  • Schwetzinger SpargelDer Schwetzinger Spargel sei der beste in Deutschland, und ich widerspreche nicht. Mindestens drei Stände gibt es von April bis Juni auf dem Schlossplatz. Frischer kann man ihn nicht bekommen, und so gibt es zur Festspielzeit für mich kaum einen spargelfreien Tag.