Lena Raubaum

Autorin, Sprecherin, Schreibtrainerin, Redakteurin

Was mich mit Wien verbindet? Zunächst ganz banal: meine Geburt. Ich bin so eine von den „echten“ Wiener*innen mit sogenannten „zuagroasten“ (= zugereisten) Eltern. In der österreichischen Hauptstadt bin ich geschlüpft und aufgewachsen, habe hier meinen Lebens- und Liebensmittelpunkt.

Ich liebe an dieser Stadt, dass sie sicher und sauber ist (ja, selbst wenn mal jemand vergessen hat, ein Gackerl mit dem Sackerl aufzuheben). Ich liebe an dieser Stadt, dass ich hier Trinkwasser aus der Leitung schlürfen kann und Zugang zu Bildungsstätten, solider Gesundheitsversorgung und grünen Oasen habe. Ich liebe an dieser Stadt, dass sie ein gut leistbares, lobenswertes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln hat und die Fahrradwege immer mehr werden. Denn das ist alles, nur nicht selbstverständlich …

Und es gibt da noch etwas, was ich an Wien liebe: Ausgleich, vielmehr einen Brückenschlag. Zwischen anonymer Urbanität und bezirklicher Vertrautheit. Zwischen aufbrechenden Zukunftsvisionen und historischen Sehnsuchtsseufzern. Zwischen lifestyligen Food-Trends und einem g‘schmackigen Schnitzel. Zwischen Häuserfassaden und Baumrinden. Zwischen beherzter Hoffnung und Raunz-Gesuder. Zwischen „das muss so sein“ und „is ja wurscht“. Wenn Wien ein Kind wäre, wäre es wahrscheinlich ein Sandwichkind mit alter Seele. Und ich sag’s wie’s ist: ich bin sehr neugierig, was dieses Kind noch so alles erleben wird …

Meine Empfehlungen

  • Alte DonauAuf der Suche nach Erfrischung, Erholung, Durchschnaufen und das alles bittschön nah am Wasser? Wohlan, dann pflanz deinen hübschen Allerwertesten an die amazing Alte Donau. Borg dir ein Tretboot aus (unbedingt mit Rutsche!), mach’s dir auf der romantischen Romawiese bequem, breite dein Badetuch im Gänsehäufel oder im Arbeiterstrandbad aus und flüster‘ dem Arbeitsalltag ein sanftes „Adieu!“. Oder: entdecke dein persönliches Geheimtipp-wow-so-versteckt-Lieblingsplatzerl auf diesem linken Altarm der Donau und erzähle niemanden davon – auf dass es dein Geheimtipp-wow-so-versteckt-Lieblingsplatzerl bleiben kann.
  • Atelier BrutstätteIn diesem Atelier in der Haslingergasse des 17. Wiener Gemeindebezirks haust die fulminante Neigungsgruppe Schabernack, bestehend aus drei leiwanden Lebenskünstler*innen. Hier vereinen sich Yoga zum Entwurscheln, Schriftliches in jeder Form, malerische Malereien, illustre Illustrationen und die Freude an Kreativität.
  • Cut Around The WorldDahinter steckt die charismatische Hairstylistin Carmen Subota, die sich auf schnittige und vor allem weltenvereinende Art und Weise jeder haarigen Angelegenheit annimmt.
  • First Vienna FCDer First Vienna Football Club wurde 1894 als erster Fußballverein Österreichs von britischen Gärtnern im feschen Döbling gegründet. Die Spiele dieses „österreichischen St. Pauli“ finden im grünen Hohe Warte Stadion statt, der Eintritt ist günstiger als im Kino und das Highlight, das sind die Fans. Auf der Tribüne vermischen sich Punks, Pensionist*innen, Anzugträger*innen, Student*innen, Familien und alles dazwischen. Die Stimmung ist jenseits von testosterongetränkter, aggressiver Macho-Kultur, und trotz sportlicher Rivalität wabern hier charmante, tolerante, selbstironische und positive Vibes.
  • FranzeWien und Kaffee – des gheat afoch zåm. Vor allem Wien und Kaffeehäuser und sei es nur deshalb, weil man da so herrlich allein mit anderen sein, Zeitung lesen, Leute schauen oder schreiben kann. Darum muss es natürlich auch einen Kaffeehaustipp geben und der heißt: Franze. Dieses Café am Eck vom Währinger Kutschkermarkt bietet röstfrische koffeinhaltige Heißgetränke von hoher Qualität, angenehm warmes Licht und dazu eine Portion Bobo (= auch ein durchaus wienerisches Phänomen, das sich erleben lassen kann.)
  • FriedhöflichkeitenEs gibt da noch etwas, „des afoch zåmg‘hört“: Wien und der Tod. Oder wie es der grandiose Komponist Georg Kreisler ausdrückte „Der Tod muss ein Wiener sein.“ Und so ein momentum mori in Wien, das hat schon was. Etwa auf dem Zentralfriedhof, dem St. Marxer Friedhof oder auch dem Friedhof der Namenlosen. Letzterer wird übrigens persönlich und gewissenhaft seit Generationen von der Familie Fuchs betreut und bietet Menschen eine letzte Ruhestätte, die unbekannt oder unkenntlich waren, als man sie tot auffand. Tipp: Zu Allerheiligen findet dort immer eine Messe sowie eine besondere Kranzlegung der Fischer statt!
  • GartenbaukinoKein Einwand, dieses Kino ist leinwand! Nicht nur, weil es eines der ältesten und letzten noch betriebenen Einsaalkinos der Stadt ist (geboren am 19.10.1919!). Sondern auch, weil es ein Genuss ist, nach einem Tag in der sogenannten Realität den Rücken an einen der 736 Kinosessel zu schmiegen, auf eine filmreife Cinerama-Großleinwand zu schauen und dabei Popcorn zu mampfen. So muss Lebensqualität!
  • Kettenkarussell im PraterWer die Stadt überblicken will, schwindelfrei ist und Lust auf einen Drehwurm hat, möge sich bitte ins Kettenkarussell vom Wiener Prater begeben. Ganze 117 Meter geht’s hinauf und dann geht’s rund, rund, rund …
  • Mezzanin 7Man nehme eine großzügige Wiener-Altbauwohnung und verrühre diese mit einzigartiger Vintage-Einrichtungskunst, Detailverliebtheit und dem Gefühl von „So etwas hab ich noch nie gesehen!“. Dazu mische man feinste Kochkunst und Lokalkultur in privatem Rahmen. Anschließend schmecke man alles mit Hingabe, fröhlichem Charme, gemütlicher Gastfreundlichkeit und viel Herzblut ab und voilà: das ist das Mezzanin 7.
  • Museumsquartier | MQ WienSteht in jedem Reiseführer, wurde hier bestimmt schon überaus häufig empfohlen, aber da muss man halt auch hin. Schließlich ist diese Wiener Kunst-Piazza der Get-Together-Kultur ein Segen für die Stadt. Drei Dinge, die ich hier ans Herz lege: 1. Erobere ein Enzi (= unikate MQ-Sitzgelegenheit); 2. Mach mit so vielen Menschen wie möglich eine 4er-Foto im Photo-Automaten beim Haupteingang; 3. Geh Minigolfspielen!
  • rundumadum-WanderwegFreund*innen der Fußläufigkeit, Gefährt*innen des Gehens, das ist was für euch: dieser Wiener Weitwanderweg führt namensgetreu rund um Wien. 120 Kilometer ist er lang, Start und Ziel der Etappen sind leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und es offenbaren sich einem dabei Seiten von Wien, die es zu entdecken gilt.
  • S-Bahnsteig am Handelskai Richtung FlughafenWieso genau dieser Bahnsteig? Weil das einer der Bahnsteige ist, auf dem klassische Musik in Dauerschleife läuft. Achtung: das kann mozärtlich zu beschwingter Stimmung führen.
  • SteinhofgründeHierbei handelt es sich um ein 42 Hektar großes natürliches Erholungsgebiet im Westen von Wien. Naturfreund*innen kommen hier sowieso auf ihre Kosten und wer mehr auf vom Menschen erbaute Architektur steht, der oder die stattet der Otto-Wagner-Kirche einen Besuch ab – einer der schönsten Jugendstilkirchen überhaupt.
  • Straßenbahnlinie 2 fahrenUnd zwar durch Ottakring, immer der Nase nach. Weil wenn du Glück hast, versprüht hier der typisch wienerische Wind ein ungewöhnliches Parfum: Schokolade, Note Haselnuss und Bier, vielmehr Hefe. Warum? Weil hier die Manner Fabrik und die Ottakringer Brauerei wohnen und deren Produkte der Luft (und deiner Nase!) erzählen wollen, wenn sie dabei sind, zu entstehen.
  • StressdeponieEs warad wegen dem Loswerden von Verspannungen und innerer Unruhe … das klappt fantastisch in der Stressdeponie! Hier gibt’s nämlich ein Massage- und Entspannungs-Portfolio, das Hand und Fuß hat, und das alles noch dazu in überaus liebevoll und stimmig eingerichteten Räumlichkeiten.
  • TichyWer das Gefühl hat, die Welt wird immer schneller, die Digitalisierung ist #nichtaufzuhalten und die Zukunft war schon vorgestern, der oder die muss nur zum Eissalon Tichy gehen. Lass dir beispielsweise von der Frau Waltraud einen in Österreich weltberühmten und vom Ticky erfundenen Eismarillenknödel verpassen, schnabuliere diesen am Reumannplatz auf einem Parkbankerl und schon weißt du: alles ist gut, die Zeit steht still.
  • toma tu tiempoApropos Zeit: „Nimm dir Zeit“ lautet der Name dieser Tapas-Bar in der Zieglergasse im 7. Bezirk. Für mich ist sie das Gleis 9 ¾ in ein spanisches Lebensgefühl. Am besten mit vielen Menschen hingehen, dann alles bestellen, was einem spanisch vorkommt, und dann: teilen.
  • WeinhandwerkAlso folgendes: Wien ist die einzige Metropole weltweit, die innerhalb der Stadtgrenzen Weinbau betreibt. Ja, ganze 700 ha Weingärten erfreuen sich hier des Rebens! Darum muss auf die Empfehlungsliste natürlich auch ein Heuriger oder ein Buschenschank und tadaaa, I proudly present das Weinhandwerk. Super schön gelegen auf den Anhöhen des Bisambergs, kannst du dich hier an schmackhaftem Slow Food erfreuen, in dem sich Kräuterkulinarik und Südtirol die Hände reichen. Dazu ein Glaserl Wein und nach dem ersten Schlucker beglückt seufzen.