Thi Nga Tang

Senior Marketing Beraterin

Nach 15 Jahren in dieser traditionsliebenden Metropole bin ich durch und durch Lokalpatriotin. Nachfolgende Vorschläge sind demgemäß ganz klar affektiv und verblümt subjektiv. Während es in anderen Großstädten heißt „My Kiez is my castle“, sind die Wege in München so angenehm kurz, dass man sich mit Leichtigkeit über die eigenen Stadtteil-Grenzen hinaus wagen kann. Dabei empfehle ich wärmstens das gute, alte Fahrrad als Fortbewegungsmittel Nummer eins. Ich zelebriere zwar die hiesigen Kulturen sehr gerne und ausgedehnt, aber eine ernst gemeinte Übellaunigkeit als grundlegende Lebenseinstellung macht für mich keinen Sinn, nur Falten und Magengeschwüre. Die MVG ist teuer, der öffentliche Personennahverkehr sehr oft zu spät – wir wissen es alle. Widmen wir uns anderen Themen, wenn wir dem bayerischen Grant frönen wollen. Hier vielleicht ein paar neue Aufreger:

Meine Empfehlungen

  • Bar Gabányi Sinnloser, tumber Dämmerzustand durch Fusel vom Discounter geht ganz schnell. In Stefan Gabányis Bar geht es stattdessen um einen entschleunigten, eleganten Rausch aus Kristallgläsern und Silberbechern. Der ehemalige Barmann des Schumann’s ist ein wandelndes Whisky-Lexikon, was er ebenso bereits zu Papier und zwischen zwei Buchdeckel gebracht hat. Aus diesem Grund ist die Bar auch eine Botschaft der schottischen Destillerie Ardbeg. Auch über Kräuterliköre weiß er viel Interessantes zu sagen. Die wechselnden Barsnacks sind bereits jetzt exzellente Klassiker: Würstl im Saft, Rindergulasch mit frischem Kartoffelpüree oder Spiegelei, Sandwich à la „Bill Cosby“ oder mit Pastrami, Salat Omar Sharif und das Schokoladentörtchen. Mit den aus dem Stegreif oder im Freistil kreierten Drinks gab es bislang noch nie Enttäuschungen. Und auch noch nie einen dicken Schädel.
  • Café + Konditorei TanpopoIn der offenen Backstube kann man die mit dem Meisterpreis der bayerischen Staatsregierung ausgezeichnete Konditorin Kanako Okada und ihr Team bei der Herstellung köstlicher Kuchen, Tartes und herzhafter Quiches beobachten. Sie kombiniert japanische Tradition mit deutscher Kuchenkultur. Vorwiegend montags, wenn das Café geschlossen ist, oder auch nach Absprache finden Tarte-, Torten- und Plätzchen-Kurse statt.
  • Café FrischhutWo seit den 70er Jahren Händler vom Viktualienmarkt, Nachtschwärmer und Luden mit ihrer Entourage samstags um 5:00 Uhr zum Frühstück einkehrten, werden nach wie vor die besten Schmalznudeln („Auszogne“ oder „Kniekiachla“), Dampfnudeln und Striezel am laufenden Band produziert. Geändert haben sich lediglich die Öffnungszeiten: Montags bis samstags gibt es die heißen, fettigen und sauleckeren Köstlichkeiten ab 8:00.
  • Café ReedEin Zeitschriftenladen mit gesundem, leckeren Essen oder ein Café mit ausgewählten, zum Teil seltenen internationalen Magazinen – egal, wo man für sich im Kiosk Reed den Schwerpunkt setzen möchte, jeder fühlt sich bei Jules und Joern wohl.
  • Glore „Be green in any colour you like“, fordert uns die studierte Designerin und Store-Inhaberin Brigitte von Puttkamer nun seit bereits sechs Jahren auf. Sie wählt stilsicher und mit ökorrektem Anspruch hochwertige Mode aus und bietet diese online unter glore.de und in der zentral gelegenen Münchner Baaderstraße an. Präsentiert werden ausschließlich Labels, die fair gehandelte und ökologisch nachhaltige Ware mit ethischen Grundsätzen produzieren. Weitere Concept Stores sind unterdessen auch in Hamburg, Nürnberg und Stuttgart zu finden.
  • Intolerante Isi Weil München Wirtshäuser und Biergärten hat, gibt es leider kaum Imbissbuden. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist der Foodtruck der Intoleranten Isi ganz besonders ans Herz zu legen. Ihre Speisen und Getränke sind auch für alle mit Lebensmittelintoleranzen bedenkenlos genießbar. Die gelernte Mediendesignerin bietet darüber hinaus Catering, Back- und Kochkurse an. Aktuelle Standorte und Termine sowie Buchungsanfragen über ihre Facebook-Fanseite.
  • Klein-OrientHier ist das Obst und Gemüse immer frisch und wie auch der Haarschnitt spürbar billiger als anderswo in München. Auch falls der Geldbeutel mal nicht mehr für das Frischeparadies im Schlachthofviertel reicht, ist das Areal rund um den Hauptbahnhof zwischen Goethe- und Landwehrstraße (türkisch), aber auch Schillerstraße (arabisch) und Senefelder- bis Kolpingstraße (pakistanisch-nordindisch-afghanisch) eine sehr gute Adresse. Döner und Baklava, vegan, frisch und lecker, gibt es bei Royal Kebabhaus.
  • KongressbarDie 50er-Jahre-Bar mit üppigem Veranstaltungsprogramm und anspruchsvoll arbeitendem Team besticht durch ein herausragendes Ambiente und delikate Drinks. Zusätzlich gibt es in unregelmäßigen Abständen auch feste Gaumenfreuden, wie das Happening „Lecker & Laut“, bei dem die Leidenschaften zweier Münchner Urgesteine (Profikoch und Hobby-DJ und Hobbykoch und Profi-DJ) kombiniert werden: Während sie vier Gänge zaubern und kommentieren, legen sie gleichzeitig passend zu den Gerichten feinste Klänge auf. Mehr über Lecker & Laut gibt es über Facebook.
  • Little Chinatown„Umgekehrte Spiegeleier“ findet man in der Rosenheimer Straße ganz besonders häufig. Nicht die dichteste Aggregation von China-, Korea-, Thai- oder Vietnam-Restaurants, sondern die authentischer Asia-Lebensmittelgeschäfte macht das aus. Gemeint sind damit jedoch keine skurrilen Nahrungsmittel, sondern moderne Jung-Asiaten, die außen gelb, innen aber sehr weiß und europäisch sind. Wer die Eigenart der asiatischen Küche und der ursprünglicheren Landsleute bevorzugt, lenke seinen Blick auf die angebrüteten Eier in den Shops. Danach ist ein Einkehrschwung in der Mini-Garküche Manam zu empfehlen. Die eventuell etwas unwirsche Behandlung lohnt sich – das Essen wirkt Fern- und Heimweh nach Thailand entgegen.
  • Man vs. Machine KaffeeröstereiEin lang gehegtes Lebensziel erreichte Geschäftsführerin Cornelia Mehrwald nun mit der Kaffee-Rösterei Man versus Machine, kurz MVSM. Serviert werden Roh-Kaffee-Spezialitäten aus Zentralamerika, Kenya und Äthiopien als Espresso blend, Single Origin Espresso oder als Filterkaffee (Pourover, also klassisch mit Filter). Genauso akribisch ausgesucht und zubereitet werden auch die ausnahmslos biologisch angebauten Tees. Die Franzbrötchen, eines der fleischlosen Snacks des Hauses, lassen auf die Herkunft der Inhaber schließen.
  • Mixed Munich Artists (MMA)Die Räume des ehemaligen Gaskraftwerkes mit 21 Metern Deckenhöhe beherbergen Künste verschiedenster Art: Musik, Kulinarik, Mode, Malerei, Fotografie, Grafik. Eben Mixed Munich Artists, wofür die Initialen stehen. München mal anders würde es genauso treffen. Vorerst bis Ende 2015 geben sich in der MMA nationale und internationale DJs ein Stelldichein, können Ausstellungen und Fashion-Sessions (Lagerverkäufe, Flohmärkte, Messen) besucht und leckere Pizzen im „La Fabbrica“ verspeist werden.
  • Restaurant + Bar Emiko im Louis HotelWährend in anderen Bars das Hauptaugenmerk auf Whiskey und Gin gelegt wird, zeichnet sich das Emiko im Louis Hotel durch herausragenden Sake aus. Der Service ist aufmerksam und weiß professionell und detailliert über den in Zedern- oder Eichenfässern gereiften Reiswein und über jede weitere hochwertige Spirituose und erstklassigen Drink zu berichten. Die Atmosphäre zwischen Kaminfeuer und Origami-Paravent ist überaus angenehm. Mal kosten: Emiko Mule, geröstete Aubergine mit warmer Miso-Dashi-Sauce.
  • Sofar Sounds MunichSongs From a Room ist die weltweit größte Livemusik-Community. Frustriert von klassischen Livemusik-Veranstaltungen, entstand das Konzept im März 2009 in London und bringt Bestes aus neuer Musik und echte Musik-Liebhaber in privaten Wohnzimmern zusammen.
  • The Victorian HouseDer Name spiegelt sich in der Einrichtung wieder: Ölbilder, Antiquitäten, schwere Porzellan-Schalen und -Vasen, gemütliche Sitzgelegenheiten. Wer bewusst eine Alternative zu den modernen, minimalistischen Kaffee-Häusern sucht, findet inzwischen fünf Mal in München alles, um der Kaffee- und Tee-Kultur (ca. 60 verschiedene Blatttee-Sorten!) zu frönen. Ob Dinner, Lunch, Fünf-Uhr-Tee oder Frühstück – die englische Küche hat doch einiges mehr zu bieten als ihr Ruf vermuten lässt. Unbedingt probieren: hausgemachte Crumpets, Scones und Clotted Cream! Last but not least verdienen auch die Kunst-und-Genuss-Angebote eine Erwähnung, bei denen Victorian House mit Münchner Museen und Theatern kooperiert. In Gutschein-Form womöglich eine Geschenk-Idee für bevorstehende Feiertage.