Toni Woldrich

Besitzer Eigensinnig Wien

Wien – Vorwärts leben, rückwärts verstehen

Der „Zeit“-Kolumnist Harald Martenstein schrieb einmal, Menschen würden eine Stadt oft schätzen, weil man dort „in der Nähe von“ wohnt oder weil man schnell mal woanders sein kann. Vermutlich war Martenstein noch nie in Wien. Denn in Wien ist man mittendrin und wenn man woanders hingeht, nimmt man Wien immer mit. Die Räume zur Selbstverwirklichung sind die selben wie die zur Selbstreflexion. Beschleunigung und Entschleunigung finden an den gleichen Orten statt. Die Menschen spüren die Welt und klinken sich gleichzeitig aus ihr aus. Man verfolgt Ziele und kann trotzdem gedankenfrei umherschweifen. Man schwebt freihändig zwischen Hochkultur, Subkultur und gar keiner Kultur. Man lebt hier und nimmt gleichzeitig Urlaub vom Leben. Wien ist zugleich Seele und Rationalität, Zentrum und Peripherie, eng und weitläufig. Hier gehen altehrwürdige Geschichte und verspielte Moderne Hand in Hand. All die Annehmlichkeiten einer großen Metropole sind vorhanden, nur in Wien eben gepaart mit der Gemütlichkeit kleiner ländlicher Dörfer. Der Lärm ist da, aber die Stille auch. Frei nach Robert Musil: Hier treffen Wirklichkeits- und Möglichkeitssinn aufeinander.

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