Calla Mode

Calla Mode

It is not about labels. It is about the combination


… dann kam alles anders … 30 Jahre Calla Mode

Wir haben plötzlich Zeit … viel Zeit zum Nachdenken und Neudenken.

Der Druck, der zum einen über Produzenten und auch über hohe Mieten und Kosten aufgebaut wurde, ließ oft wenig Spielraum für Kreativität und Individualität. Die Orderrunden erstreckten sich pro Saison auf ca. 4 Monate. Hinzu kamen diverse Events im Geschäft (mehr als früher), digitale Anfragen auch ohne Online-Shop und natürlich auch Präsenz im Geschäft selbst. Der Mitbewerber ist heutzutage eben nicht mehr lokal, sondern global.

Mein Gefühl war schon seit Langem, dass der klassische Einzelhändler diesem Druck nicht mehr gewachsen ist. Aber war er nicht der, der eine Marke zur Marke gemacht hat und auch heute noch diese Funktion innehat? Wir sollten also diese Flexibilität, Kreativität  und Geschwindigkeit für neue Prozesse nutzen und mit den Firmen neu und auf Augenhöhe zusammenarbeiten, die unsere Sprache sprechen.

Ich hoffe, dass uns das gelingt und wir uns von der Ignoranz und Eitelkeit der großen Big Player trennen können (denn die Globalisierung ist erst einmal in ihren Grundfesten erschüttert worden). Vor einigen Jahren trennten sich diese Firmen auch von dem Einzelhändler zugunsten ihrer eigenen Mono-Label-Shops und eigenen Online-Portalen. Sie waren bereit, die hohen Mieten zu zahlen, veränderten Stadtbilder in immer gleiche monotone „Einkaufserlebnisse“ und verdrängten (liebevoll) inhabergeführte Geschäfte.
 
Jetzt gilt es für uns, unsere Kunden vor Ort zu binden … buy local … und ich wünsche mir, dass dieser Trend anhält. Wir sind jetzt diejenigen, die diesen positiven Trend erfahren dürfen. Diese Krise ist unsere Chance.
 
Wir sind klein genug und auch nah genug am Kunden, um diesen zu inspirieren, zu unterhalten und zu informieren. Wir sind gezwungen, schnell zu reagieren und auch zu unserem analogen Geschäft die neuen digitalen Möglichkeiten zu nutzen. Mit unserer Handschrift, mit unserer Botschaft und unserer Emotion. War Mode nicht irgendwann einmal Emotion? War es nicht das, was wir verkaufen wollten? Das sollten wir wieder tun.
 
Und bei all diesen Überlegungen nutzte ich nun die Zeit, um neue Wege zu gehen und mich neu zu erfinden. Ich wollte weiterhin den Kontakt mit meinen Kunden und zwar direkt ... und was war da das direkteste? Ich selbst! Calla Mode bin ich. Wir führen einige Kollektionen exklusiv in Deutschland, wir führen keine modischen und schnelllebigen Kollektionen, sondern ehrliche und zeitlose hochwertige Kleidung – besonders, anspruchsvoll und nachhaltig produziert.
 
Mein Slogan ist „It is not about labels, it is about the combination.“
 
Bis zum Shutdown habe ich meine Kunden zu 100 % vor Ort (analog) bedient. Jetzt hieß es für mich umdenken. Ich habe mit meinem Lebensgefährten Jörg Kessel (seed.digital.vision) die Möglichkeit genutzt, in kürzester Zeit einen Instagram-Auftritt zu starten, der dem Anspruch von Calla Mode entspricht.

Ich selbst bin das Model, ich stehe hinter meiner Botschaft, ich zeige, wer wir sind. Wir schicken täglich kleine inszenierte Geschichten als Newsletter und Instagram-Posts mit immer neuen Ideen an unsere Kunden. Wir überraschen unsere Kunden mit kleinen Filmen vom Pancake Backen bis zum Hamburger-Rezept. Und lassen sie auch ein wenig hinter die Kulissen schauen. 

In kurzer Zeit habe ich 50 % neue Follower bei Instagram und täglich 20–30 Anfragen per Mail. Das hat mich selbst überrascht, und es bestärkt mich darin, dass ich auch in Zukunft diese neuen Möglichkeiten weiter nutzen werde, um das persönliche digitale Story-Telling auszubauen. Ein anonymer Online-Shop kommt für Calla Mode nicht in Frage.

Ich bin für die Zukunft optimistisch und hoffe, dass wir die richtigen Schlüsse aus der Krise ziehen. Und ich wünsche mir, dass wir im November unseren 30. Geburtstag ganz analog vor Ort feiern können.
 
Liebe Grüße,
Claudia Ernenputsch