8 Insidertipps von Thomas Smolinski
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Meine Geheimtipps für Schwyz
- Rigi
Was soll ich zur Rigi noch sagen? Die «Königin der Berge» ist eine Legende! Hier wurde vor über zweihundert Jahren der moderne Schweizer Bergtourismus erfunden. Persönlichkeiten wie Königin Victoria, Mark Twain oder Johann Wolfgang von Goethe waren auf der Rigi zu Gast. Zahnradbahnen von Vitznau und Arth-Goldau führen auf den 1’798 Meter hohen Kulm. Im Sommer dampft gar noch die originale Lok 7 mit Baujahr 1873 (!) regelmässig den Berg hoch (und wenn sie nicht fährt, kann man sie im Lok 7 Museum bei der Bergstation besichtigen). Fantastische Erlebnisse bieten Extrafahrten auf den Gipfel zum Sonnenaufgang. Oder der Alperlebnisweg mit Besuch einer Alpkäserei. Oder ein Tag im Mineralbad & Spa Rigi Kaltbad, geschaffen vom Tessiner Stararchitekten Mario Botta. Oder ein Spaziergang auf der Gletschermoräne der Seebodenalp, wo die Kinder Holzkugeln kreative Bahnen hinunterrollen lassen können. Oder ein Ausflug mit der steilen Seilbahn auf den Urmiberg zum Restaurant mit dem spektakulärsten Blick über den Urnersee und den Alpenkamm. Oder aber entdecken Sie die Rigi am besten einfach selbst. - Küssnacht am Rigi
Zum Bezirk Küssnacht gehören die Dörfer Küssnacht (ich bin stolzer Küssnachter Bürger), Merlischachen und Immensee. Immensee? – Da war doch was? Genau! «Durch diese Hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht.» textete weiland Friedrich Schiller in seinem Freiheitsdrama «Wilhelm Tell». Die Hohle Gasse, wo Tell den Gessler erschossen haben soll, existiert es immer noch. Der Besuch des Hohlwegs mit kleinem Infozentrum ist ein lehrreicher Ausflug in die eidgenössische Vergangenheit. Während Küssnacht am Vierwaldstättersee (Erster Satz in Schillers Tell: «Es lächelt der See, er ladet zum Bade.») liegt, befindet sich Immensee an den Gestaden des lauschigen Zugersees. Bade- und Wassersportlustige wie ich kommen hier auf ihre Kosten. Schliesslich möchte ich unbedingt das Küssnachter Klausjagen erwähnen. Es findet immer am Abend des 5. Dezember statt (Ausnahme: Fällt der 5. Dezember auf einen Samstag oder Sonntag, findet es am vorangehenden Freitag statt). Rund 2000 Geislechlepfer, Yffeleträger, Trychler und (Horn)Bläser (ja, richtig, es dürfen nur Männer mitmachen) ziehen durchs stockdunkle Dorf, während mehr als 20’000 Zuschauer die Strassen und Gassen säumen. Laut, lärmig, archaisch. Dieses Beben muss man erleben, am besten jedes Jahr. Nicht vergessen: 5. Dezember, 20.15 Uhr! «Mänz, Mänz, Mänz. Bodefridi Mänz!» - Goldau
Nach dem Bergsturz vom 2. September 1806, bei dem 457 Menschen unter Dutzenden Meter hohen Nagelfluhfelsmassen begraben wurden, hat sich Goldau als Eisenbahnknotenpunkt «Arth-Goldau» neu erfunden. Es waren dann auch Eisenbahner, die 1925 den Tierpark Goldau gegründet haben. Aus einer privaten Tierliebhaberei ist ein wissenschaftlicher Natur- und Tierpark entstanden, der heute zu den führenden Zoos Europas gehört. Immer wieder beindruckt mich das Bären-Wolf-Gehege, in dem die beiden Raubtiere eine friedliche Koexistenz pflegen. Und beeindruckend ist auch die Schuttlandschaft, durch die der Tierpark führt. Hier komme ich immer wieder gerne hin. Die Jahreskarte ist gar nicht so teuer. - Lauerzersee
Dank seiner geringen Tiefe von maximal 14 Metern ist der Lauerzersee zwischen Goldau und dem Kantonshauptort Schwyz ein Hotspot für Warmduscher wie mich. Wassertemperaturen jenseits der 25 Grad sind sommers die Regel. Am besten schwimmt man vom Seebad Seewen aus abends in den Sonnenuntergang hinein, wenn der Stern am gelb-orange-rot leuchtenden Himmel zwischen Rigi und Rossberg hinter dem Horizont verschwindet. Atemberaubend. Und noch etwas macht den Lauerzersee einzigartig: die Schwanau! Das Inselchen mit Burgruine und Restaurant gehört dem Stande Schwyz, ist also eine echte Staatsinsel. Wer trockenen Fusses zum Eiland gelangen möchte, läutet am Steg in Lauerz die bronzene Glocke und wird dann mit der «Gemma von Arth» übergesetzt. Ich schwimme am liebsten zur Schwanau, umrunde sie und genehmige mir dann auf der Terrasse der Insel ein feines Glacé. - Brunnen
Das Seehotel Waldstätterhof bietet die schönste Terrasse am Vierwaldstättersee. Das Haus ist für seine höchste Qualität auf allen Ebenen bekannt. Die Familie von Reding lebt Gastfreundschaft mit Stil. Von Brunnen aus empfehle ich einen Abstecher per Schiff zum Rütli, der Wiege der Schweiz. Während andere Länder imposante nationale Gedenkstätten pflegen, grasen auf der Rütliwiese Kühe, Muuuh! Wir Schweizer/-innen lieben halt das Understatement und geniessen stattdessen die spektakuläre See- und Bergwelt rund ums Rütli. - Rothenthurm
Das Hochmoor von Rothenthurm auf 900 Metern über Meer ist ein landschaftliches Kleinod. Spazier- und Wanderweg führen durch die nassen Matten und durch Birkenwälder. Obwohl ich viel und regelmässig im Moor unterwegs bin, entdecke ich immer wieder interessante Flora und Fauna. Wo früher im grossen Stil Torf zum Heizen abgebaut wurde, ist heute ein Naturschutzgebiet der besonderen Art. Übrigens: Im Winter führt eine Langlaufloipe durchs Rothenthurmer Hochmoor. Sie ist meine Heimstrecke und bietet viel Abwechslung für Skating-Spezialisten und Klassisch-Geniesser. Dank eines kühlen Windes bleibt der Schnee länger liegen als andernorts auf ähnlicher Höhe. Zudem sind die Rothenthurmer begnadete Loipenbauer, die es (fast) immer schaffen, eine anständige Spur in die Landschaft zu legen. - Einsiedeln
Hier steht die Kirche – Pardon – das Kloster noch mitten im Dorf. Vor fünfhundert Jahren um ein Haar ausgestorben, gilt das Kloster Einsiedeln heute als wachsender Orden. Die Benediktinermönche 2.0 sind begnadet darin, klösterliche Abgeschiedenheit und spirituelle Weltoffenheit unter einen Hut bzw. die Kutte zu bringen. Der Klosterplatz wurde erst gerade frisch renoviert. Sehenswert ist auch die imposante barocke Klosterkirche mit ihren zwei das ganze Dorf überragenden Türmen. Am Rande des Klosterplatzes kehre ich am liebsten im Bären by Schefer ein. Die Bäckerei führt ein unkompliziertes Restaurant und Café – selbstverständlich immer mit frischesten Backwaren. Versuchen Sie doch einmal die «chlouschtertarte». Vor den (Kloster)Toren Einsiedelns plätschert seit 1935 der Sihlsee, der grösste Schweizer Stausee. In heissen Sommerzeiten bietet «das blaue Wunder» köstliche Erfrischung. Mein bevorzugter Uferort ist der «grüeni Aff», wo ich mein Faltboot wassern und auch gemütlich schwimmen kann. Zuvor bin ich meistens mit meinem Bio-Bike in den Hügeln rund um Einsiedeln unterwegs. Denn nur wer richtig schwitzt, kann die Abkühlung auch richtig geniessen (siehe Tipp Lauerzersee «Warmduscher»). - Ägerital
Zu guter Letzt wage ich einen Blick über den Kantonalschwyzer Tellerrand hinaus nach Zug und empfehle das sanfte Ägerital. Es lässt sich vom Morgartenberg (Bike- und Wanderrouten) aus bestens überblicken. Entlang des Ägerisees auf 720 Metern über Meer wandere und spaziere ich gerne. Am südlichen Ufer des dunkelblauen Gewässers soll anno 1315 die Schlacht von Morgarten stattgefunden haben, als eine Handvoll Eidgenossen mit einem Fels- und Baumstammhagel eine Handvoll Habsburger in die Flucht geschlagen haben soll. Ein interessantes Informationszentrum erzählt diese Geschichte nach. Kulinarisch sind für mich das Gasthaus Gubel neben dem gleichnamigen Frauenkloster auf dem Bergrücken oberhalb von Unterägeri und die Bäckerei Zumbach im Dorf Unterägeri die kulinarischen Höhepunkte des Tals. Auf dem Gubel schweift der Blick bei einem bodenständigen Essen bis nach Zürich und Zumbach backt die besten Brioche, die ich kenne.

