Culture-News

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// 04_2022 //

Kateryna Chabanova aus der Ukraine, die im Moment mit ihrem sieben Monate alten Sohn und ihrer Schwiegermutter im BLACK F lebt, verfasste diesen Brief an BLACK F aus Dankbarkeit.


Sehr geehrter Herr Thoma,

dies ist ein Brief der Dankbarkeit dafür, dass Sie mir und meiner Familie ein Zuhause in Ihrem bezaubernden Hotel zur Verfügung gestellt haben. Aber erlauben Sie mir bitte, den Brief mit einer kleinen Geschichte anzufangen.

Am 24. Februar haben mein Ehemann, mein sieben Monate alter Sohn und ich friedlich in unseren Betten geschlafen, als plötzlich das Telefon geklingelt hat – meine Mutter rief an. „Töchterchen – wir werden bombardiert“. Danach hörte ich drei Explosionen. Es war fünf Uhr morgens, als an unser Haustür der Krieg angeklopft hat.

Wir sind aufgesprungen. Mein Mann hat gesagt, alle wichtigen Dinge einzupacken und zum Auto zu rennen. Es hat sich rausgestellt, dass die wichtigsten Dinge die von meinem Sohn sind – seine Kleidung, sein Essen und sein Spielzeug. Nachdem ein paar Taschen gepackt waren, sind wir schon um sechs Uhr morgens aus Kiew rausgefahren. Während wir auf der Schnellstraße fuhren, überlegten wir, wohin wir fahren sollen. Mein Mann hat entschieden, in die Stadt zu fahren, in der er geboren wurde. Sie befindet sich im Zentrum der Ukraine, und zu dem Zeitpunkt kam es uns so vor, als ob wir dort in Sicherheit sein würden. „Katüscha, das ist nur für ein paar Tage. Danach fahren wir zurück“, sagte mir mein Mann. Das ist das erste Versprechen, welches er nicht halten konnte.

In der Ukraine zu bleiben war sehr gefährlich. Deswegen haben mein Mann und ich die schwerste Entscheidung unseres Lebens getroffen: Ich werde zusammen mit meinem Sohn, Platon, in ein anderes Land fahren. Meine Schwiegermutter fährt mit mir, um mich zu unterstützen und mit dem Baby zu helfen. Meine Eltern haben entschieden in Charkiw zu bleiben – dort, wo ich geboren wurde – und humanitäre Hilfe anzubieten. Es ist sehr schwer damit klarzukommen, dass sie jeden Tag so einem Risiko ausgesetzt sind, aber gleichzeitig bin ich sehr stolz auf sie. Sie sind meine Helden.

Wenn Sie mich heute fragen, welches Datum heute ist, dann werde ich Ihnen nicht antworten können. Aber dafür weiß ich ganz genau, dass heute der 29. Kriegstag eines fürchterlichen Krieges ist, der nie hätte passieren dürfen.

Ich erzähle Ihnen diese Geschichte, damit Sie wenigstens in einem kleinen Umfang die ganze Dankbarkeit fühlen können, die ich gerade gegenüber Ihnen empfinde. Vor ein paar Tagen hat mir die Familie Kaufmann erzählt, dass Sie uns erlauben, ganze zwei weitere Wochen in Ihrem wundervollen Hotel wohnen zu dürfen. Glauben Sie mir bitte, dass das eine riesige Hilfe für uns ist. Ganze zwei weitere Wochen muss ich nicht darüber nachdenken wie ich meinem Sohn Komfort und Sicherheit bieten kann. Es ist sehr warm und gemütlich bei Ihnen. Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie nicht gleichgültig geblieben sind gegenüber der Probleme Ihnen absolut unbekannter Menschen. Nur ein Mensch mit einem großen Herzen kann so handeln.

Wenn der Krieg vorbei ist und die Ukraine gesiegt hat, erlauben Sie mir, Sie in mein geliebtes, starkes und unabhängiges Land einzuladen. Ich zeige Ihnen mit Freude unsere Stadt Kiew, ihre Menschen und ihre Kultur. Ich bin mir sicher, Ihnen wird es bei uns gefallen.

Hochachtungsvoll und mit tiefster Dankbarkeit aus ganzem Herzen
Katja, Lyuda und Platon (Übersetzt von Kaufmann)



„Es zeigt, wie wichtig es ist zu helfen und zu unterstützen. Es freut uns, dass wir auch in solch schwierigen Zeiten fünf Familien aus der Ukraine ein kostenfreies Zuhause auf Zeit bieten können.“ Patrick Thoma vom Black F Boarding House in Freiburg





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