»Die Schönsten Deutschen Bücher« 2025
Mental kann man sich spätestens ab Anfang Dezember auf ausufernde Speisen rund um die Feiertage einstellen. Mit einer besonderen Inszenierung von Festessen befasst sich das akademische Kochbuch „Kulturtechnik Kochen“. Vielleicht sind die historische Rückschau, die starke Bildebene und die neu interpretierten Rezepte genau die richtige Inspiration, um auch ihren Zugang zum Festtagsschmaus mal ganz anders zu denken.
Markus Krajewski, Margaretha Jüngling, Christian Werner
Kulturtechnik Kochen
Oder: Ausführliche Geschichte eines barocken Schauessens bei Neapel, seiner Entstehung und Hintergründe sowie der Reise nach Italien in vier Etappen nebst delikaten Rezepten zum Nachkochen und imposanten Bildern der Gerichte
Verlag: Schwabe Verlag, Basel / Berlin
Gestaltung: Jörg Schwertfeger, Mario Naegele
Fotografie: Christian Werner
Herstellung: Schwabe Verlag / Franziska Lissat, Sonja Peschutter
Druck / Buchbindung: Beltz Grafische Betriebe GmbH, Bad Langensalza
Bereits im Mittelalter wurden sogenannte Schaugerichte zubereitet, die nicht der Sättigung dienten, sondern Eindruck auf die Gäste machen sollten. Beliebt war es etwa, eher ungenießbare Tiere wie Schwäne zuzubereiten und in ihrer natürlichen Erscheinung zu präsentieren. Für den opulenten Band „Kulturtechnik Kochen“ spüren eine Köchin, ein Fotograf sowie ein Kulturhistoriker diesem Phänomen nach und reinszenieren „ein barockes Schau-Essen bei Neapel“ sowie eine neuzeitliche Interpretation.
Die naturgemäßen Brüche, die ein zeitlicher Brückenschlag mit sich bringt, wurden dabei feinsinnig verwoben: Das typografische Cover mutet mit seiner Serifenschrift historisch an, wird jedoch teilweise von einer aufkaschierten Fotokarte verdeckt. Den Charakter eines Schau-Essens – eine Verheißung von Aromen, Texturen und Genuss – übersetzt das Fotokonzept mit klaren und farblich bestens abgestimmten Sujets.
Wenn der Verlag von einem „akademischen Kochbuch“ spricht, pflichtet man ihm gerne bei, obwohl dies die offensichtliche Freude an der Buchgestaltung unterschlägt: So überrascht der Band mit einer historischen Abbildung auf dem Vorsatz sowie einem witzig inszenierten Nachsatz als modernes Pendant. Der präzise typografische Satz bespielt in Kombination mit großzügigem Weißraum das große Format anspruchsvoll, aber gelungen. Dies schätzte die Jury ebenso wie die Beschränkung auf eine einzige Schriftart in zwei Schnitten. Auch das Material sowie eine perfekte Verarbeitung werden dem Anspruch gerecht, kulturhistorische Ernsthaftigkeit mit der Leichtigkeit eines Kochbuches zu vereinen.
Bildcredit: © Stiftung Buchkunst, Fotos: Uwe Dettmar / Ann-Kathrin Müller &
Sven Tillack / Studio Tillack Knöll, Design Practice, Stuttgart
Die 25 »Schönsten Deutschen Bücher« sind vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung. Die Auswahl berücksichtigt auch das leisere, solide gemachte Lesebuch. Die prämierten Bücher setzen Zeichen und zeigen wichtige Trends und Strömungen der deutschen Buchproduktion. In jeder der fünf Kategorien »Allgemeine Literatur«, »Wissenschaftliche Bücher/Fachbücher/Schul- und Lehrbücher«, »Ratgeber, Sachbücher«, »Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge« und »Kinderbücher, Jugendbücher« gibt es fünf Prämierte.
Seit 1966 begleitet die Stiftung Buchkunst mit Sitz in Frankfurt am Main und Leipzig kritisch die deutsche Buchproduktion. Ziel ist, die Qualität des Buches in technischer und künstlerischer Hinsicht zu fördern. Die Hauptaufgabe der Stiftung ist der Wettbewerb »Schönste Deutsche Bücher«. Mit ihren Wettbewerben will die Stiftung Buchkunst den Blick der Öffentlichkeit über den Inhalt hinaus auf buchgestalterische und buchherstellerische Spitzenleistungen lenken und damit dem Medium Buch und seiner Form zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Zur Teilnahme zugelassen sind Bücher aus deutschen Verlagen sowie Bücher aus ausländischen Verlagen, sofern die technische Produktion ausschließlich in Deutschland erfolgte.






