Stiftung Buchkunst stellt vor | September

© Foto: Bildcredit: © Stiftung Buchkunst, Fotos: Uwe Dettmar / Ann-Kathrin Müller & Sven Tillack / Studio Tillack Knöll, Design Practice, Stuttgart

Stiftung Buchkunst stellt vor | September
»Die Schönsten Deutschen Bücher 2026«

»Man könnte sagen: Die Tangente ist eine Berührung, die nie wiederkehren wird, eine Bewegung, in der das Erinnern und das Vergessen identisch sind.«

zwischenmenschlichen Verbindung, die den Leser mitnehmen in eine Welt, in der jede Notiz, jeder Stein, jede Melodie, jedes nicht gesagte Wort Bedeutung erfährt

Man könnte sagen …

Die Trauer der Tangente ist ein Buch zum Eintauchen – in die Tiefen von Trauer, Erinnerung und zwischenmenschlicher Nähe, aber auch in eine Sprache voller Metaphern und poetischer Bilder. Fabian Saul erzählt sanft, gleichzeitig kraftvoll von Verlust und Verbundenheit und erschafft dabei eine Welt, in der ein unausgesprochenes Wort, eine Melodie oder selbst ein Stein Bedeutung in sich trägt. Die fragmentarische Erzählweise lässt den Leser dabei nicht nur beobachten, sondern mitunter selbst die Orientierung verlieren. Wie in einem Art-house-Film fügen sich einzelne Szenen, Stimmen und Erinnerungen zu einem offenen, vielschichtigen Geflecht zusammen, dessen Leerstellen ebenso viel erzählen wie seine Worte. So wird Die Trauer der Tangente zu einem literarischen Raum, in dem man sich verlieren und zugleich der Frage nachspüren kann, was von einer Beziehung bleibt, wenn ein Mensch nicht mehr da ist.

Fabian Saul
Die Trauer der Tangente
Matthes & Seitz Verlag, Berlin
Gestaltung: Studio Yukiko / Michelle Phillips
Satz: Christian Albert
Druck / Buchbindung: Friedrich Pustet, Regensburg

Fast erklärend weist das radikal reduzierte Cover von »Die Trauer der Tangente« das Wort »Roman« auf, denn Debütautor Fabian Saul hat eine ganz eigene Form des Erzählens definiert. In Fragmenten erinnert hier der Protagonist an eine verstorbene Person, deren Tod sein eigenes Leben ins Wanken brachte. Verschiedene Personen, Orte und Erinnerungen werden in kurzen Absätzen skizziert, eine Art vielstimmiges Geflecht der Erinnerung entfaltet sich Seite für Seite. Poetisch erzählt der Autor von dem, was war und dem, was hätte sein können.

Um diesem nicht linearen Aufbau Struktur zu geben, kommt der Buchgestaltung dieses kraftvollen Werks eine besondere Bedeutung zu: Eine fein gesetzte Marginalspalte gibt Aufschluss über Orte und Personen, sie sorgt für Orientierung und Halt. Der Satz bleibt ansonsten wohltuend klassisch und lässt dem Inhalt seine Wirkungskraft. Die sorgfältige Detailtypografie ist überdies nicht nur präzises Handwerk, sondern unterstützt maßgeblich den Lesefluss, der aufgrund der abrupten Sprünge zwischen Erinnerungssplittern verschiedener Personen und erzählerischen Rückblenden herausfordernd ist.

Mit einem schlichten Einband, der lediglich papierene Knickfalten sowie Titel und Autor aufweist, präsentiert sich dieser Debütroman auf den ersten Blick recht zurückhaltend. Aufmerksamkeit erzielt schon hierbei das farblich abgestimmte Kapitalband sowie das korrespondierende Lesebändchen. Doch erst beim Lesen offenbart sich die gestalterische Kraft in ihrer ganzen Tiefe – sie interagiert mit dem Inhalt und schafft ein spannendes Gesamtwerk.

Die 25 »Schönsten Deutschen Bücher« sind vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung. Die Auswahl berücksichtigt auch das leisere, solide gemachte Lesebuch. Die prämierten Bücher setzen Zeichen und zeigen wichtige Trends und Strömungen der deutschen Buchproduktion. In jeder der fünf Kategorien »Allgemeine Literatur«, »Wissenschaftliche Bücher/Fachbücher/Schul- und Lehrbücher«, »Ratgeber, Sachbücher«, »Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge« und »Kinderbücher, Jugendbücher« gibt es fünf Prämierte.

Seit 1966 begleitet die Stiftung Buchkunst mit Sitz in Frankfurt am Main und Leipzig kritisch die deutsche Buchproduktion. Ziel ist, die Qualität des Buches in technischer und künstlerischer Hinsicht zu fördern. Die Hauptaufgabe der Stiftung ist der Wettbewerb »Schönste Deutsche Bücher«. Mit ihren Wettbewerben will die Stiftung Buchkunst den Blick der Öffentlichkeit über den Inhalt hinaus auf buchgestalterische und buchherstellerische Spitzenleistungen lenken und damit dem Medium Buch und seiner Form zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Zur Teilnahme zugelassen sind Bücher aus deutschen Verlagen sowie Bücher aus ausländischen Verlagen, sofern die technische Produktion ausschließlich in Deutschland erfolgte.

Bildcredit: © Stiftung Buchkunst, Fotos: Uwe Dettmar / Ann-Kathrin Müller &
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60311 Frankfurt am Main
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Erschienen in LUST AUF GUT Magazin:

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