Thomas Geuder

Architektur-Journalist und Galerist

Lust auf Stuttgart? Unbedingt!

In der schwäbischen Metropole gibt es alles, was das Herz begehrt. Nur (und das darf ich als neigschmeckter Kurpfälzer sagen): Hier ist alles viel kompakter. Idyllisch eingepfercht zwischen mitunter steilen Hängen, blieb den Stuttgartern im Kessel nicht viel Platz für ihre Kernstadt. Also hat man jeden Quadratzentimeter genutzt und hat baulich verdichtet, bis es nicht mehr geht.

Was bei aller Dichte erstaunt: Stuttgart ist eine ziemlich grüne Stadt. Wer vom Kesselrand über die Stadt blickt, merkt erst, wie grün es hier eigentlich ist. Doch die vielen Bäume braucht es hier auch, denn Stuttgart hat immer wieder ein Luftproblem, wegen besagter Kessellage und der deswegen nicht ganz so guten Druchlüftung. Da wäre es gut, ab und an das Auto stehen zu lassen, doch daran denkt hier nicht jeder. Im Gegenteil: Stuttgart ist (abwechselnd mit Köln) Staustadt Nr. 1.

Und doch: Es ist lebenswert hier! Denn Kompaktheit bedeutet auch, dass vieles nah beieinander ist. Stuttgart überrascht immer wieder auf wenigen Metern. An den Kesselrändern ergeben sich Situationen, die man derart idyllisch nur selten findet. Man muss wissen, wohin man gehen kann. Dann öffnet sich Stuttgart und nimmt einen freundlich auf.

Auch für Architekten und Architekturliebhaber ist einiges geboten. Mehrere Hochschulen, Architekturgalerien, bauliche Highlights machen es Architekten angenehm hier. Viele international renommierte Architektur-, Ingenieur- und Design-Büros sind in Stuttgart beheimatet. Stuttgart ist eine Stadt der Architektur, mit baden-württembergischen Flair und schwäbischer Gemütlichkeit. Eine sehr gute Mischung! 

Ich bin als Fachjournalist für Architektur und Bauen schreibend, moderierend und beratend tätig. Mit dem Netzwerk „Der Raumjournalist“ bringe ich Bauschaffende zusammen, seit 2015 auch in der Stuttgarter Architekturgalerie „Die Raumgalerie“.

Meine Empfehlungen

  • Architekturgalerien: Weissenhofgalerie, BDA Wechselraum, Die RaumgalerieArchitektur ausstellen ist etwas, von dem nicht viele ein konkretes Bild haben. Umso wichtiger ist es, dass sich in Stuttgart immerhin drei Institutionen diesem Thema widmen. Für Architektur-Liebhaber, aber und vielleicht gerade auch für alle anderen eine besondere Empfehlung.
  • Biergarten KarlshöheDie Karlshöhe schiebt sich geographisch in den Kessel hinein. Genau hier einen Biergarten einzurichten, ist schlicht genial.
  • Friedrichsbau VarietéUrsprünglich mitten im Zentrum gelegen, hat das Friedrichsbau Varieté gottlob seinen Platz beim Theaterhaus auf dem Pragsattel gefunden. Ein Besuch wirkt lange nach.
  • Galerie Klaus BraunEs gibt in Stuttgart einige Kunstgalerien, wer aber nach gegenstandsloser Kunst mit Sachverstand sucht, ist bei Klaus richtig aufgehoben.
  • MarkthalleDie Markthalle im Zentrum der Stadt ist ein Jugenstil-Juwel aus dem Jahr 1914 mit frühem, offenem Stahlbeton-Dachtragwerk. Wer sich hier hinein verirrt, kommt so schnell nicht mehr heraus.
  • Oper StuttgartEin wunderschönes Opernhaus, das immer einen Besuch wert ist, auch wegen der hohen Qualität von Musik und Ballett. Das Haus muss leider bald für einige Zeit geschlossen werden, weil es ziemlich sanierungsbedürftig ist.
  • Restaurant Bella ItaliaBestes sizlianisches Essen, liebevoll zubereitet von Maria, bodenständig, hochwertig, in vom Ippolito Fleitz eingerichteten Ambiente im Herzen des Stuttgarter Westens – und nicht weit entfernt von der Raumgalerie.
  • Restaurant KuroseJapanische Restaurants sprießen derzeit aus dem Boden wie Pilze. Wer hohe Qualität und Authentizität sucht, ist im Kurose bestens aufgehoben.
  • Restaurant TavernaWer glaubt, in Griechenland isst man nur Fleisch mit Tzatziki, sollte in die Taverna gehen. Raffiniert und vielfältig, absolut empfehlenswert.
  • Restaurant Tokio DiningJa, in Japan gibt es mehr als Sushi und Sashimi. Das Tokio Dining mit „japanischer Hausmannskost“ zeigt, was das Land kulinarisch wirklich drauf hat.
  • Stuttgart 21Wettbewerb Mitte der 1990er-Jahre, Baubeginn 2010, Ende ungewiss, ebenso die Kosten. Stuttgart 21 hat die Stadt endgültig in die Schlagzeilen gebracht – und wird uns noch eine Weile erhalten bleiben. Ausgang offen.
  • Stuttgarter KesselrandDer Kessel hat einen Rand – und der bietet immer wieder tolle Aussichtspunkte. Empfehlung: Einfach mal den Rand entlang fahren oder laufen und die Stadt mit anderen Augen wahrnehmen.
  • Teehaus im WeissenburgparkEiner der idyllischsten Orte der Stadt, im Jugendstil-Pavillon aus dem Jahr 1913. Entspannung pur.
  • Weinstube KlösterleUmweit der Wilhelma im ältesten Fachwerk-Haus der Stadt aus dem Jahr 1463, in dem es keinen rechten Winkel mehr gibt. Dafür gibt es schwäbische Hausmannskost, die keine Wünsche offen lässt.
  • Weissenhofsiedlung1927 von damals führenden Vertretern des Neuen Bauens im Rahmen der Werkbundausstellung unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe errichtet, ist die Weissenhofsiedlung ein historisches Denkmal, das Jahr für Jahr Besucher aus der ganzen Welt anzieht.
  • WilhelmaNicht nur zoologischer, sondern auch botanischer Garten, mit größtem Magnolienhain Europas nördlich der Alpen in maurischem Garten, Titanwurz-Spektakel und modernem Menschenaffenhaus. Ein Muss.