Stiftung Buchkunst stellt vor

Stiftung Buchkunst stellt vor

»Die Schönsten Deutschen Bücher 2022« | Januar 2023


Diese Empfehlung bringt Farbe und Abwechslung in die dunklen Wintermonate. Genauso lebhaft wie das Cover zeigt sich auch das Innenleben von „fünfzehn kilo kolibri“. In diesem Lyrikband vereint Arne Rautenberg die unterschiedlichsten Vogelarten. Rotkehlchen, Dodos, Schwäne, Möwen und Kakadus findet man neben einigen anderen Vögeln in den Texten wieder.

Die Gedichte sind mal kurz, mal lang, mal lustig, mal lehrreich; sie haben unterschiedliche Reimschemata und zwischendurch taucht auch mal ein Zungenbrecher oder ein Zahlentrick auf. Was alle eint, sie sind luftig leicht, unterhaltsam wie lesenswert. Visuell erschaffen wurden die Kolibris und ihre Artgenossen durch die Illustrationen von Katrin Stangl.

Arne Rautenberg
fünfzehn kilo kolibri
Peter Hammer Verlag, Wuppertal
Illustration: Katrin Stangl
Gestaltung: Katrin Stangl, Köln
Typografie: Magdalene Krumbeck (Peter Hammer Verlag)
Druck: Livonia Print, Lettland
Herstellung: Magdalene Krumbeck (Peter Hammer Verlag)

Die großzügigen, flächigen Bilder sind nicht bloße Illustrationen, sie haben einen eigenständigen Wert. Selbstverständlich findet man Begriffe aus den Gedichten in die Grafik umgesetzt. Vor allem aber lassen die Kompositionen sehr viel Luft zum Atmen – oder besser noch: zum Fliegen, denn schließlich geht es in allen Gedichten um Vögel. Gelegentlich verdichten sich die Verszeilen im Formsatz und werden zu visueller Poesie. „der bartgeier frisst gern harte eier nur gut dass ich ein weichei bin sonst wär ich längst im geier drin.“

Die Begeisterung der Illustratorin fürs Elementare äußert sich darin, dass sie die Druckfarben (Cyan, Gelb, Schwarz und ein Sonderrot anstelle von Magenta) gleichberechtigt und weitgehend unvermischt, also nahezu ohne Halbtonmodulation, einsetzt. Das gelbliche Weiß des festen, matten Kartons wirkt als zusätzliche Farbe. Übereinander gelegte Volltonflächen reichern das primärfarbenbetonte Spektrum mit zusätzlichen Farbnuancen an. Eine gewisse Modulation von Halbtönen zeigt sich in aufgehellten Flächen mittels Punktraster; es wirkt wolkig, wie ein „gebrauchtes“ Raster.

Hier und da tupft ein trockener Pinsel farbige Schattierungen an eine Flächenkante, um die lebendige Spannung zwischen Fläche und Raum zu steigern. Das sieht alles so klar und einfach aus, es erzwingt aber förmlich ein nicht alltägliches Reproduktionsverfahren: das frequenzmodulierte Raster.


Buchfotos: © Pixelgarten, Frankfurt am Main, www.pixelgarten.com


Die 25 »Schönsten Deutschen Bücher« sind vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung. Die Auswahl berücksichtigt auch das leisere, solide gemachte Lesebuch. Die prämierten Bücher setzen Zeichen und zeigen wichtige Trends und Strömungen der deutschen Buchproduktion. In jeder der fünf Kategorien »Allgemeine Literatur«, »Wissenschaftliche Bücher/Fachbücher/Schul- und Lehrbücher«, »Ratgeber, Sachbücher«, »Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge« und »Kinderbücher, Jugendbücher« gibt es fünf Preisträger.

Seit 1966 begleitet die Stiftung Buchkunst mit Sitz in Frankfurt am Main und Leipzig kritisch die deutsche Buchproduktion. Ziel ist, die Qualität des Buches in technischer und künstlerischer Hinsicht zu fördern. Die Hauptaufgabe der Stiftung ist der Wettbewerb »Schönste Deutsche Bücher«. Mit ihren Wettbewerben will die Stiftung Buchkunst den Blick der Öffentlichkeit über den Inhalt hinaus auf buchgestalterische und buchherstellerische Spitzenleistungen lenken und damit dem Medium Buch und seiner Form zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Zur Teilnahme zugelassen sind Bücher aus deutschen Verlagen sowie Bücher aus ausländischen Verlagen, sofern die technische Produktion ausschließlich in Deutschland erfolgte.


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