Stiftung Buchkunst stellt vor

Stiftung Buchkunst stellt vor

»Die Schönsten Deutschen Bücher 2019« | Februar 2020

Die Weltgeschichte ist voller Dinge, die verloren sind – mutwillig zerstört oder im Lauf der Zeit abhandengekommen. Was das Verlorene hinterlässt sind verhallte Echos und verwischte Spuren, Gerüchte und Legenden, Auslassungszeichen und Phantomschmerzen. So handelt dieses Buch gleichermaßen vom Suchen wie vom Finden, vom Verlieren wie vom Gewinnen und zeigt, dass der Unterschied zwischen An- und Abwesenheit womöglich marginal ist, solange es die Erinnerung gibt – und eine Literatur, die erfahrbar macht, wie nah Bewahren und Zerstören, Verlust und Schöpfung beieinanderliegen.

Judith Schalansky

Verzeichnis einiger Verluste
Suhrkamp Verlag, Berlin
Gestaltung: Judith Schalansky, Berlin
Herstellung: Ute Fahlenbock, Suhrkamp Verlag, Berlin

Tausende winzige Punkte auf dem Pappeinband bilden Verdichtungen, Leerstellen, Flächen: eine Landkarte, eine Meeresschaumkrone? Sind es weiße Punkte, sind es schwarze Punkte? Ein Noch-Nicht oder ein Nicht-Mehr?
In zwölf Geschichten beschäftigt sich die Autorin mit verschwundenen Phänomenen. So geht es um den Kaspischen Tiger, um Guerickes Einhorn, um Sapphos Liebeslieder oder den Palast der Republik. Allen gemeinsam ist, dass es sich um faktisch Verschwundenes, um Ungesagtes oder Unaussprechliches, um Episoden aus der Kulturgeschichte und eigene Erinnerungslücken handelt.
Gelenkt durch einen klassischen Satzspiegel fließen die Texte in einer modernen Antiqua über das gelblichweiße Werkdruckpapier. Die Kapitel beginnen mit einer langen Anmerkung, wie mit der Feder geschrieben, aber gesetzt in der dazugehörigen, skripturalen Kursive.
Alle Kapitel finden jeweils auf 16 Buchseiten ihren Platz, was es technisch ermöglicht, um jeden zweiten Falzbogen schwarze Trennblätter zu legen und in die Fadenheftung zu integrieren.
Diese Regelmäßigkeit ergibt im Anschnitt des geschlossenen Buches ein feinsinniges Muster von Trauerrändern. Die schwarzen Blätter selbst sind mit passenden Motiven schwarz bedruckt, es konkurrieren also zwei Schwarztöne, als wenn es um eine Konkurrenz des Verschwindens ginge. Man würde von verblichenen Bildern sprechen, wenn sie eben nur nicht schwarz wären.
Dass sich in diesem Band alles so elegant fügt, liegt daran, dass die Autorin ihre eigene Buchgestalterin ist.
Ein Nachlassbuch, ein Kondolenzbuch? In gewisser Weise beides.


Fotos: © SCHMOTT, www.schmott.co


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