Stiftung Buchkunst stellt vor

Stiftung Buchkunst stellt vor

»Die Schönsten Deutschen Bücher 2021« | Juni 2022

„A book should be beautiful to look at, a delight to touch, and enthralling to read – Deborah Levys „The Cost of Living” in der Edition von TOC Publishing genügt diesem Anspruch definitiv. Der zweite Band ihrer dreiteiligen „living autobiography“ erzählt von großen Umbrüchen in den Jahren, in denen eigentlich davon ausgegangen wird, dass sich das Leben nun stabilisiert.

Das Ende der langjährigen Ehe, der Umzug in einen großen, schäbigen Wohnkomplex, die Krankheit der Mutter – all das hinterlässt große Lücken, eröffnet aber auch den Raum für neue Möglichkeiten. Deborah Levys elegante, schöne Sprache spiegelt sich in der Gestaltung des Buchs. Jedes Kapitel beginnt mit einem illustrierten Zitat. So persönlich wie der Text ist auch die Ausgestaltung des Buchs: Die 998 gedruckten Exemplare sind von Hand gefertigt und von der Autorin signiert. Ein besonderes Buch – in Inhalt und Form.

Deborah Levy
The Cost of Living
TOC Publishing GmbH, Berlin
Gestaltung:  Susanna Dulkinys, Erik Spiekermann
Illustration: Erik Spiekermann
Herstellung: Daniel Klotz, Die Lettertypen, Berlin

Auf dem Schutzumschlag werden zwei Punktrastergitter leicht verdreht, übereinander gedruckt. Deren Größe erlaubt es, eine dritte Farbe in den Schnittmengen und den räumlichen Effekt zu beobachten. Ein ebenmäßig schwarzes Titelschild wirkt wie aufgeklebt. Tatsächlich gibt es eine gewisse Höhendifferenz zu ertasten – nur anders als vermutet: die schwarze Fläche ist minimal in das Papier eingeprägt. Was geht hier vor sich? Auf einer Andruckpresse wurden Schildchen wie Rasterpunkte aufs Umschlagpapier gebracht. Ebenso im Hochdruck wurde der Inhalt mittels Polymer-Klischees auf einer historischen Zylinderschnellpresse (zehnmal langsamer als im Offset) gedruckt. Eine zusätzliche rote Schmuckfarbe akzentuiert den lebenden Kolumnentitel: Bis zum Papierrand gedruckte rote Flächen trennen die Kapitel; dadurch ergibt sich im Anschnitt ein rotes Linienmuster.

Die Buchtypografie gehorcht den durch jahrhundertelange Erfahrung herausgemendelten Parametern. Dimension: bequem in einer Hand zu halten. Seitenformat: im Goldenen Schnitt. Zeilenlänge: 55 bis 60 Zeichen. Schriftgröße: für Leseabstand 30 cm. Textmenge pro Seite: ca. 1700 Anschläge. Schrifttype: eine neue Version der Caslon, eine der großen Schriften des 18. Jahrhunderts (Redewendung unter Setzern: When in doubt, set it in Caslon). Papier: Werkdruck gelblichweiß, um die Augen nicht zu blenden. Das Buch wird in einer anthrazitfarbenen Stülpdeckelschachtel aus glatter Pappe ausgeliefert. So ist es als Zeugnis der Perfektion alter Drucktechnik archivarisch vorbereitet.

Buchrepros: © Farbanalyse, Köln, farbanalyse.de
Detailfotos: © Stiftung Buchkunst/ Carolin Blöink


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