Stiftung Buchkunst stellt vor

Stiftung Buchkunst stellt vor

Stiftung Buchkunst stellt vor | Januar
»Die Schönsten Deutschen Bücher« 2021


Oft beginnt das neue Jahr mit guten Vorsätzen: Man möchte mehr Sport machen, aufhören zu rauchen, weniger Zeit auf Social Media verbringen. Jeder setzt sich so seine eigenen Ziele, die erreicht werden sollen. In dieser Zeit der guten Absichten und Selbstreflexion ist „Überfahrt“ genau der richtige literarische Begleiter. Darin reisen Michael Disqué und Roman Ehrlich auf einem Containerschiff nach China und halten in Text und Bild den Alltag der Besetzung fest, erzählen von Weltumseglern und Entdeckern aus vergangenen Zeiten, setzen sich mit dem weltweiten Handel auseinander, dem Frachtschiff als Arbeitsplatz und die damit einhergehenden Arbeitsbedingungen. „Überfahrt“ zeigt ganz unaufgeregt und greifbar, wie viel Aufwand für unseren alltäglich Konsum betrieben werden muss und wer die Menschen sind, die diesen Aufwand betreiben.


Michael Disqué, Roman Ehrlich

Überfahrt (Band #4 der Reihe Volte expanded)

Spector Books, Leipzig
Fotografie: Michael Disqué
Gestaltung: Hannes Drißner
Herstellung: Robert Stürzl/Spector Books, Leipzig


Auf einem Containerschiff von Hamburg nach China waren zwei Künstler die einzigen Passagiere. Danach entstand dieses Buch.

Die Ereignisse spielen sich auf drei Ebenen ab. Zunächst sind da die Textkapitel auf einem angenehm matten Papier von gebrochenem Weiß, flatternd gesetzt aus einer modernen Barockantiqua in reichlicher Lesegröße. Jedem Kapitel folgt eine kurze Auswahl von Zitaten, einer „Bordbibliothek” genannten Literaturliste entlehnt; sie stehen auf ganzflächig grau bedruckten Seiten, in Schaugröße aus einer schmalfetten Groteskschrift gesetzt, um die skulpturale Qualität der Lettern genießen zu lassen. (Nebenbei: Die Atmosphäre dieser Seiten hat etwas Pochendes, Öliges, als wenn eine Mischung aus Gischt und Maschinenduft in die Nase kröche.) Auf der dritten Ebene hält die Fotokamera Ausschau; die Bilderserien stehen auf glattem, samtglänzenden Papier mit einem für den Buchbinder verdammt schmalen Rand. Folglich markiert der Wechsel des Papiers – sichtbar an den Schnittflächen des Buchblockes – den Wechsel der Ebenen.

Der fadengeheftete Buchblock ist so in den Umschlag eingehängt, dass ein hohler Rücken entsteht, damit er nicht bricht. Die Klarsichtfolie des Schutzumschlages dient als Metapher für die dünne Membran zwischen Mensch und Wetter auf hoher See. Der Titel steht in schwarzem Druck auf der Folie, genau über den schwarzen Flächen des Bildmotivs auf dem Kartonumschlag platziert. Was für ein Glück, dass Verlagswerbung heute nicht mehr nur den Restriktionen gedruckter Vorschauen unterworfen ist.



Buchrepros: © Farbanalyse, Köln
farbanalyse.de
Detailfotos: © Stiftung Buchkunst / Carolin Blöink


>> Zur Stiftung Buchkunst bei LUST AUF GUT