Insider Tipps Mainz von Karsten Thormaelen

7 Insidertipps von Karsten Thormaelen

Fotograf

Je länger man an ein und demselben Ort lebt, desto mehr verliert man den Blick für die Besonderheiten und Dinge, die einen einst dazu bewogen hatten, genau hier seine Lebensmittelpunkt zu suchen.

Ich lebte viele Jahre in Mainz und nun noch viel länger in Wiesbaden. In Mainz fühlte ich mich lange zu Hause, ich mochte die Leute, über die ein ehemaliger Ministerpräsident scherzhaft sagte, sie hätten „Bremsflüssigkeit im Blut“. Bescheiden, landschaftlich eher zurückhaltend, pragmatisch. Im krassen Gegensatz zum geradezu opulenten Wiesbaden, der schönen, sinnlichen Nachbarstadt, mit ihren prächtigen Patrizierhäusern entlang der „Ringe“ und den geradezu verboten schönen Wohnanlagen des Nerotals und an den Hängen der Sonnenberger Straße, eingebettet in die malerischen Ausläufer des vorderen Taunus.  

In Mainz fand ich echte Freunde, nachdenkliche, liebenswert verschrobene Philosophiestudenten, in Wiesbaden eher lebenslustige Freundinnen, die BWL, Sozialwesen oder Innenarchitektur studierten. Mainz hatte die „Schwellköpp“ des Karnevals, den FSV, Gutenberg, den Dom und einen ICE-Bahnhof, von dem man mit ein paar Mark im Rucksack – ohne umzusteigen – in die Welt aufbrechen konnte. Wiesbaden wog dies immer mit einer aufregenden, amerikanisch angehauchten Nachtclubszene und tollen Geschichten wie z. B. dem „Spieler“ von Dostojewski oder dem „Agenten“ von Hanns-Josef Ortheil auf. Beide Städte sind Hauptstädte eines Bundeslandes, dennoch keine echten Großstädte, mit zusammen nicht einmal einer halben Million Einwohnern. Sie sind „Tore“ zu weltbekannten Weinlagen, Rheinhessen und dem Rheingau, und warten mit tollen Kulinarik- und Musik-Festivals, Messen und urgemütlichen Volksfesten auf.  

Mittlerweile hat sich auch das Bild beider Städte gründlich gewandelt. Mainz ist schon lange nicht mehr das häßliche Entlein auf der falschen Seite des Stromes und Wiesbaden nicht mehr nur Hort alten Geldadels und neureicher Emporkömmlinge. Hedonismus und Gemeinsinn schließen sich schon lange nicht mehr aus. Der Rhein als natürliche Grenze zwischen beiden Schmelztiegeln ist fast eine Art rheinhessische San-Andreas-Spalte. So gibt es immer wieder kleinere „kulturelle Beben“ in diesem Spannungsfeld, wie die alljährlichen Sommer-SWR-Konzerte an der Nordmole/ Zollhafen, das Open Ohr Festival, das Rheingau-Musik-Festival, das exground filmfest, die see-Conference. 



Auf jeden Fall Gründe genug, von Zeit zu Zeit mal wieder genauer hinzuschauen.

7 Insidertipps von Karsten Thormaelen für Mainz

Fürsprecher:in aus Mainz

Meine Geheimtipps für Mainz

  • 7Grad
    Café, Lounge und Bar in einem ehemaligen Lokschuppen in der Kunsthalle Mainz.
  • Domäne Mechthildshausen
    Nicht nur ein Bauernhof.
  • LeBonBon
    Erlebnisgastronomie à la Mainz.
  • Malakoff-Bar im Hyatt Regency
    Die besten Cocktails in noblem Ambiente.
  • Restaurant Bootshaus
    Frank Buchholz’ jüngster Coup im Winterhafen.
  • Restaurant Favourite
    Hier tischt Deutschlands jüngster Sternekoch auf.
  • Schroeder’s
    Gemütliche Neustadt-Kneipe direkt am Zollhafen.

Das könnte Ihnen auch gefallen

14 Insidertipps von Christina Jonczyk-Seeliger für Mainz

14 Insidertipps von Christina Jonczyk-Seeliger Dipl.-Designerin und Mitarbeiterin der R

Mainz

4 Insidertipps von Bea Bug für Mainz

4 Insidertipps von Bea Bug GF, Beratung, Chefredaktion, Kreativdirektion Ja, ich gehör

Mainz

7 Insidertipps von Jonas Werner für Mainz

7 Insidertipps von Jonas Werner Fotograf Macht Mainz LUST AUF GUT? Klar! Nicht nur, wei

Mainz

8 Insidertipps von Karin Schmidt-Friderichs für Mainz

8 Insidertipps von Karin Schmidt-Friderichs Verlegerin Wenn LUST AUF GUT nach Wiesbaden

Mainz

Hinterlassen Sie einen Kommentar

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert