Daniela Caldani Pasquarelli

Stadtführerin und Sozialsekretärin

In Rom aufgewachsen, bin ich per „amore“ zuerst nach West-Berlin und dann nach Ulm ausgewandert. Am Anfang dachte ich, Deutschland sei Berlin, aber bald musste ich feststellen, dass Ulm ganz anders war. Wenn man schon mit dem schwäbischen Dialekt konfrontiert wird, erfährt man viel über die Menschen und ihre Lebensart. Inzwischen weiß ich, dass man im Schwabenland läuft und nicht geht und dass man, wenn man pünktlich zu einer Verabredung kommt, schon zu spät ist. Beruflich führe ich ein Doppelleben: unter der Woche berate ich meine Heimatleute in Sachen Sozialleistungen, am Wochenende führe ich die Touristen durch Ulm, eine Tätigkeit, die meinen Wunsch, Teil der Stadt zu sein, erfüllt hat. Ich als Italienerin tauche ein in die Rolle der Gastgeberin. Da habe ich aber ein leichtes Spiel: die Stadt und die Menschen sind mir so richtig ans Herz gewachsen, so dass ich stets mit frischem Enthusiasmus durch die Stadt „laufe“.

Meine Empfehlungen

  • Das MünsterMindestens 50 mal im Jahr bin ich mit meinen Gästen im Münster, und immer wenn ich reingehe, werde ich von der Schönheit dieser Kirche überwältigt, als ob es das erste Mal wäre. Der helle Stein, die alten und die modernen Glasfenster, die Harmonie, die aus jedem einzelnen Element und aus dem Ganzen hinausstrahlt. Sie zeigt das Selbstbewusstsein der damaligen Bürgerschaft und ist deshalb heute noch die Kirche aller Bürger.
  • Die Schwäbische AlbStolze Felsen und Ruinen, strömende Bäche und dunkle Höhlen begleiten den Besucher. In Gold getaucht im Herbst, voller Blüte im Frühling, bietet die Landschaft schöne Wege für entspannte Spaziergänge, aber auch steile Pfade für sportgierige Mountainbiker.
  • Die StolpersteineAn mehr als 40 Stellen sind Stolpersteine von Gunter Demnig in Ulm und Neu-Ulm zu finden, so wie in 22 anderen Ländern. Stolpersteine, um nicht zu vergessen oder besser gesagt, um sich zu erinnern. Wenn man auf einen Stein trifft, in der Hektik des Tages, hält das Leben des Einzelnen eine Weile an. Eine Sekunde wie eine Ewigkeit.
  • Die ZweilandstadtIst an sich ein Kunstwort, das meiner unterbewussten Wahrnehmung von Ulm und Neu-Ulm entspricht. Als Italienerin habe ich vor 23 Jahren nach dem Umzug nach Ulm die Donau eher als Verbindung empfunden und das Selbstbewusstsein der Ulmer und Neu Ulmer gar nicht nachvollziehen können. Heute genieße und erlebe ich das Schönste von beiden Städten. Ich liebe beide, und in beiden fühle ich mich zu Hause.
  • Frauen helfen Frauen e.V.Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, bleiben nicht im Dunkeln und werden ermuntert, sich zu öffnen und Hilfe zu suchen. Leider keine Selbstverständlichkeit, darüber zu reden. Danke, dass es so etwas gibt.
  • Hans de GildeSeit 21 Jahren Leiter des Ulmer Spatzen Chores, besticht Hans de Gilde durch seine Menschlichkeit, sein hinreißendes Lachen und dadurch, dass er dich – auch nach Jahren – von der Ferne ruft und mit Namen kennt. Kompetenz und Lebensfreude mit viel Liebe zu den Menschen.
  • Internationaler Dolmetscherdienst Ulm (IDU)Ehrenamtlich engagierte Bürger, die meisten mit Migrationshintergrund, unterstützen bei der Verständigung in Beratungsgesprächen. Eine einfache und geniale Idee: ich gebe zurück, was ich bekommen habe, ich tue etwas, damit auch Anderen geholfen wird. Die Verständigung durch Sprache öffnet Türen und reißt Mauern nieder.
  • Kindermuseum im Edwin Scharff Museum Im Kindermuseum ist alles erlebbar und anfassbar und selbst wenn man die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrscht, kann man vieles verstehen. Ein tolles Museum, auch für neugierige Erwachsene.
  • Taverne zum GriechenNeu-Ulm – Ein kleines Restaurant auf ausgezeichnetem Niveau. An den lauwarmen Abenden im Sommer kann man auch draußen an den paar Tischen den guten Oktopus mit Reis und Gyros oder die wunderbaren Austernpilze verköstigen. Echte Gastfreundschaft und echte griechische, nicht eingedeutschte Küche.
  • Ulmer Kanufahrer e.V.Vor einem Jahr habe ich entdeckt, dass man die Donau nicht nur von oben genießen kann. Dank den zwei Spitzentrainern Thomas (Lange) und Thomas (Moussy) fahre ich nun respektvoll auf der blauen Donau und erlebe die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive. Ein toller Verein, in dem man liebevoll empfangen wird.