Jork Weismann

Fotograf

Ich habe in Wien meine Frau getroffen und später unser Kind. Somit ist es für mich der beste Platz der Welt. Wien war immer freundlich zu mir, ich war immer unfreundlich zurück. Also ich denke, ich habe mich korrekt verhalten, wie es hier halt üblich ist. Es gibt eine große unsichtbare Unsicherheit in dieser Stadt. Das ist wahrscheinlich der Nährboden für Künstler und Schriftsteller. Man bekommt Nobelpreise, die man nicht abholen kann, weil zu krank, zu schwierig — eigentlich will man das gar nicht. Ich finde das sehr lustig. Überhaupt ist Krankheit und Unwohlsein oft das wichtigste Thema hier in der lebenswertesten Stadt. Es ist keine leichte Stadt, sie trägt einen nicht, die Schwermut ist ein ständiger Begleiter, als müsste man sich entschuldigen, dass hier alles so gut ist. Ab 18 Uhr sind die Geschäfte zu, Sonntag sowieso. Wo sonst kann man sich das noch leisten? Die Müllabfuhr fährt am liebsten am Morgen, wenn alle es eilig haben. Das ist ein subtiler Humor, den zu erkennen man sich erst mühsam erarbeiten muss. Aber dann muss man einfach immer lachen.

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