Tina Haslinger

Herausgeberin GUIDED Vienna // Projektleiterin blickfang Designmesse

Ich wohne nun seit dem Jahr 2000 in Wien. Ich fühle mich hier sehr wohl, weil die Stadt viel zu bieten hat – seien es Kunstausstellungen, diverse Festivals, die tollen Ausflugsmöglichkeiten rund um die Stadt, die herausragende multikulturelle Gastronomie etc. Speziell im Herbst kommt man gar nicht mehr hinterher, was alles in der Stadt im Kulturbereich stattfindet. Auch gibt es in Wien immer wieder etwas zu entdecken, was für mich spannend war, als ich vor zehn Jahren den Design Shoppingführer GUIDED VIENNA gründete.

Als ich damals von Berlin nach Wien übersiedelte, kam mir alles sehr langsam, träge und grau vor, aber es hat sich seither viel getan. Immer mehr junge Leute wagen Neues und bringen interessante Konzepte in die Stadt. Mit den Wiener „Grantlern“ habe ich auch Frieden geschlossen. Man muss lernen, dass in den Wiener Kaffeehäusern nicht der Gast König ist, sondern der Kellner hier definitiv das Sagen hat. Das war ein Lernprozess, aber mit der Zeit weiß man, welche Lokale einem eher liegen und welche nicht. Wien hat sich definitiv zu einer wahren Weltstadt entwickelt und ich bin froh, hier zu sein.

Meine Empfehlungen

  • bon tonIn den letzten Jahren bin ich immer mehr zu einem Keramikfan geworden und erwerbe schöne Stücke, teils am Flohmarkt, in Vintage-Läden oder im wunderbaren Laden bon ton im 1. Bezirk. In der charmanten Naglergasse findet man zeitgenössische Keramik von unterschiedlichen internationalen Künstlern. Mir hat es besonders die „Paper Clay“-Kollektion von Paola Paronetto angetan.
  • Der Heurige in Stammersdorf – Weingut GöbelIm Sommer liebe ich es, zu den Heurigen in Wien zu fahren. Nicht die in Grinzing oder Sievering, wo die Busse vorfahren, sondern eher die in Stammersdorf, Strebersdorf oder Mauer. Einer meiner absoluten Lieblingsheurigen ist das Weingut Göbel am Ende der Stammersdorfer Kellergasse, wo Helmut Krenek das Küchenzepter in der Hand hat. Innen sitzt man in moderner Atmosphäre und kann sich vom Meisterkoch mit regionalen warmen Köstlichkeiten verwöhnen lassen. Die Küche ist nicht klassisch, sondern besticht durch eine feine Klinge abseits von Schweinsbraten und Co. Der gute Wein ergänzt perfekt, und der gemütliche kleine Garten ist eine Oase am Rande der Stadt.
  • Design of the 20th centuryIch stehe auf Vintage-Möbel der 1950er- bis 1970er-Jahre. Wenn ich auf der Suche nach einer Lampe oder einem anderen Möbelstück bin, schaue ich als Erstes ins 20th Century am Margaretenplatz im 5. Bezirk. Hier findet man zeitlos-elegante Klassiker und garantiert immer einen Blickfang für sein Zuhause. Die persönliche Beratung ist auch immer top.
  • Glashütte ComplojDer wunderschöne Laden bzw. die Werkstatt von Robert Comploj bereichert nun seit rund zwei Jahren die Westbahnstraße im 7. Bezirk. Bei Gott kein Geheimtipp mehr, aber dennoch ein Shop, der einem immer wieder im Vorbeigehen ins Auge sticht. Die raffinierten Glaskollektionen in Form von Vasen, Karaffen, Gläsern, Glaskugeln etc., die direkt vor Ort produziert werden, sind bereits ein Exportschlager. Handwerk live erlebbar in der Stadt.
  • laolaoGerne entdecke ich neue Lokale. Unlängst bin ich auf das herrliche chinesische Restaurant laolao gestoßen. Das Lokal befindet sich auf der Mariahilfer Straße in der Nähe des Westbahnhofs. Es besticht durch ein durchdesigntes, elegantes Ambiente, und die Nudelspezialitäten sind ein wahres Gedicht. Teigtaschen der unterschiedlichsten Art und der Morchelsalat! Dazu ein Oolong-Tee — einfach fantastisch! Einer meiner absoluten Lieblings-Asiaten der Stadt.
  • MaMaMuDie Polin Magdalena Muszynska vereint für mich in perfekter Art Mode & Kunst. Ich liebe bunte, raffiniert geschnittene Kleidung und in ihrem neuen Laden in der Lange Gasse im 8. Bezirk werde ich garantiert fündig. Sei es mit ihrem „MODULAR SYSTEM“, wo verschiedene Teile zu Kleidern oder Blusen kombiniert werden können, oder die wunderschöne, elegante Faltenkollektion „PLEATS“ und die „Printkollektion“, bei der man selbst mit Stiften kreativ sein kann. MaMaMu Design ist in einer Kunstausstellung genauso zu Hause wie in angesagten Modeläden. Immer wieder spannend.
  • Meidlinger MarktGerne starte ich das Wochenende mit einem Marktbesuch. Der Meidlinger Markt ist kein Markt, bei dem man schnell mal vorbeikommt, aber die Anreise lohnt sich in jedem Fall und er ist absolut „Bobo-frei“. Am entspannten Bauernmarkt findet man regionale Köstlichkeiten, dann geht’s weiter zu einem der tollen Frühstückslokale wie z. B. Die Zwei am Markt oder das MARCT STANDL, oder man startet gleich mit einem tollen Mittagessen in der Wirtschaft am Markt. Definitiv ein place to be.
  • Miranda BarWenn es mal nach einem Belohnungs-Cocktail schreit, führt mich mein Weg zur Miranda Cocktail Bar. Im besten Fall kombiniert man den Abend mit einem exzellenten japanischen Essen im Nachbarlokal Kuishimbo. Das Ambiente in der Miranda Bar ist klassisch und schick, wie es sich für eine gediegene Cocktailbar in einer Großstadt gehört. Die Drinks sind fancy, nie zu süß und genau am Punkt. Immer steht eine Karaffe Wasser am Tisch, somit geht sich meistens noch ein zweiter Drink aus.
  • NestervalDie Theatergruppe Nesterval ist für mich die derzeit angesagteste und spannendste Theatergruppe. Mit ihrem POP UP Theater machen sie in unterschiedlichsten Stationen der Stadt halt. Man wird als Besucher immer in irgendeiner Art integriert und man lernt neue Orte kennen. Das Stück „Das Dorf“, das sie letztes Jahr aufgeführt haben und das auch den Nestroy-Preis gewonnen hat, gehört für mich zu den herausragendsten Stücken des letztes Jahres.
  • Salon WichtigFür ein schnelles Mittagessen gibt es für mich einen Fixpunkt im 4. Bezirk. Der Salon Wichtig besticht durch herrliche Currys — vegan, mit Fisch oder Fleisch. Man kann beliebig nachschärfen, gönnt sich noch einen selbst gemachten Eistee oder ein Lassi dazu und hat nach 15 Minuten das gute Gefühl, etwas richtig Leckeres in kurzer Zeit gegessen zu haben. Schneller Mittagstisch at it’s best.
  • Spazio PulpoSpazio Pulpo vereint aktuelle Designer aus dem Interieur- und Modebereich in einem tollen Backstein-Gewerbehaus im 14. Bezirk. An der Schnittstelle zwischen Kunst und Design ist der Spazio Pulpo schon seit Jahren ein Pflichttermin bei der jährlichen Vienna Design Week. Nicht nur wegen der umwerfenden Drinks, sondern weil man hier aktuelles, zeitgemäßes Design erleben kann, wie beispielsweise von Klemens Schillinger, dem Studio Sain und vielen anderen.